Queer weiß das (43) : Wie haltet ihr es mit der Religion?

Eine neue Folge unserer Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Diesmal geht es um Glaube und Homosexualität.

Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.
Allein die Liebe zählt. Erst gleichgeschlechtliche Trauung am 12. August 2016 in der Berliner Landeskirche.Foto: Wolfram Kastl/dpa/p-a

Für die meisten Glaubensgemeinschaften gilt Homosexualität als Sünde. Wie haltet ihr es also mit der Religion? - Hartmut, Falkensee

Es stimmt, die großen Religionen, jedenfalls das Christentum, das Judentum und der Islam, haben generell ein angespanntes Verhältnis zur Sexualität, wenn sie nicht bloß der Fortpflanzung dient. Entsprechend verurteilen die heiligen Schriften nach konventioneller Auslegung Homosexualität. Darauf berufen sich religiöse Menschen, wenn sie Homosexuelle herabsetzen, ausgrenzen oder – im Fall von Fanatiker*innen – sogar physisch attackieren. Weltweit gibt es Prediger*innen aller Richtungen, die regelmäßig dazu beitragen, die gesellschaftliche Atmosphäre zu vergiften.

Leider hat auch Papst Franziskus, für liberale Christ*innen ein Hoffnungsträger, gerade erst den katholischen Katechismus bestätigt. Demnach verstoßen homosexuelle Handlungen „gegen das natürliche Gesetz“. Allerdings solle Homos „mit Achtung, Mitleid und Takt“ begegnet werden.

Wer sich verpartnert, muss bei der Caritas mit Kündigung rechnen

Natürlich ist Mitleid für Lesben und Schwule besser als Prügel. Aber eben doch eine Anmaßung. Und nicht immer belässt man es bei Mitleid. Wer zum Beispiel bei der Caritas arbeitet, muss mit Kündigung rechnen, wenn er*sie sich mit seinem*ihrer Freund*in verpartnern will.

Die evangelische Kirche in Deutschland ist sicher aufgeschlossener. Hier gibt es lesbische Pfarrer*innen und Gemeinden, die queere Gottesdienste feiern. Aber noch immer verweigern die meisten der 20 evangelischen Landeskirchen homosexuellen Paaren die Trauungszeremonie, wie sie für heterosexuelle Paare üblich ist.

Auch duldet die evangelische Kirche in ihren Reihen Christ*innen in exponierter Position, die für die „Heilung“ von Homosexuellen durch Ärzt*innen werben. Diese Repräsentant*innen dürfen im Kirchenparlament Platz nehmen, ohne dass sich der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm davon auch nur distanziert, wie die ARD-Dokumentation „Die Schwulenheiler“ eindrucksvoll zeigte.

Viele wenden sich ab

Können Homosexuelle also in einer Religion Orientierung und Zuspruch finden? Viele religiös sozialisierte Homos wenden sich früher oder später ab. Andere glauben weiter und plagen sich wegen ihrer vermeintlichen Sünden mit schweren Schuldgefühlen. Wieder andere ruhen völlig zufrieden in ihrem Glauben. Sie haben stets mit liberalen Pfarrer*innen und Gemeinden zu tun gehabt. Aber ihre Kirche wollen sie reformieren – wie etwa die Mitglieder des ökumenischen Vereins „Homosexuelle und Kirche“. Ihnen müssen Homos viel Erfolg wünschen, damit sich die Religionen weiter und schneller öffnen.

Folge 42: Gibt es keine wichtigeren Probleme als Unisex-WCs?

Folge 41: Was wünschen sich queere Menschen für 2017?

Folge 40: Wie feiern queere Menschen Weihnachten?

Folge 39: Darf man jemanden fragen, ob sie oder er lesbisch oder schwul ist?

Folge 38: Was finden Schwule an Sängerinnen wie Marianne Rosenberg?

Folge 37: Sollten homosexuelle Promis sich politisch engagieren?

Folge 36: Verliebt ihr euch manchmal in Heteros?

Folge 35: Nehmen Homosexuelle häufiger Drogen?

Folge 34: Was bedeutet Trumps Sieg für queere Menschen?

Folge 33: Gibt es bei Euch Party-Heterosexualität?

Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Sonnabendsbeilage Mehr Berlin.

Haben Sie auch eine Frage an die Tagesspiegel-Homos? Dann schreiben Sie an: queer@tagesspiegel.de!

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