Regenbogenfahne zum CSD in Berlin : Vor dem Roten Rathaus wird nicht geflaggt

Rot wie Liebe, Grün wie Natur, Violett wie Geist: Dafür steht die Regenbogenfahne. Vor dem Roten Rathaus wird sie zum diesjährigen CSD in Berlin aber nicht gehisst. Bundesministerien überlegen noch.

Sophie Aschenbrenner
Eine Regenbogenfahne auf dem CSD in Berlin.
Eine Regenbogenfahne auf dem CSD in Berlin.Foto: dpa/picture-alliance

Dieses Jahr habe man im Bundesumweltministerium „keine Lust auf die kleinlichen Auseinandersetzungen wie 2014“, sagt Sprecher Michael Schroeren. Damals hatte das Ministerium anlässlich des Christopher Street Days die Regenbogenflagge gehisst und damit ein Zeichen für mehr Toleranz und Gleichberechtigung gesetzt. Jedoch wurde die Flagge wegen nicht näher definierter „Unstimmigkeiten“ vorzeitig abgehängt. Ganz verzichten will Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die sich im Januar 2014 als lesbisch geoutet hat, aber nicht: „Wir werden einen Weg finden, die Regenbogenfarben zu zeigen“, kündigt ihr Sprecher an. Mehr wolle er noch nicht verraten.

Das Familienministerium ist noch nicht so weit

So weit hat man im Bundesfamilienministerium noch nicht geplant. Auch dort hat Ministerin Manuela Schwesig (SPD) 2014 geflaggt, auch dort wurde die Fahne vorzeitig entfernt. Für dieses Jahr gebe es noch keine Pläne, sagt eine Sprecherin.

Das schwule und lesbische Berlin der Zwanziger Jahre
Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Hier trafen sich Homos und Heteros, Berliner und Touristen. "Zwischen den Tänzen, bei denen auch der Normale sich den pikanten Genuss leisten kann, mit einem effeminierten Manne in Frauenkleidern zu tanzen, gibt es Brettldarbietungen. Eine männliche Chanteuse singt mit ihrem schrillen Sopran  zweideutige Pariser Chansons", schrieb ein Reiseführer durch das "lasterhafte Berlin". Neben dem Stammsitz in der Lutherstraße eröffnete wegen des rauschenden Erfolges im Jahr 1928 eine Zweitniederlassung an der Ecke Kalkreuthstraße/Motzstraße, die dieses Bild im Jahr 1932 zeigt. In der Szene war das Eldorado durchaus umstritten: Homosexuelle würden hier vor einem heterosexuellen Publikum zur Schau gestellt, hieß es.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: Wikipedia/BY-SA 3.0 de
30.04.2015 15:06Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die...

Im Roten Rathaus hingegen steht bereits fest: Wegen der U-Bahn-Baustelle vor der Tür wird nicht geflaggt. Ansonsten will die Senatsverwaltung für Inneres, zuständig für die Beflaggung, wieder eine Ausnahmegenehmigung für Dienstgebäude erteilen.

Seit den 1970ern Symbol für die Homosexuellen

Der Regenbogen ist seit der Zeit der Bauernkriege ein Symbol für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Seit den 1970er Jahren ist sie ein internationales Symbol für lesbischen und schwulen Stolz und stellt die Vielfalt der homosexuellen Lebensweise dar. 1978 wurde die Flagge vom amerikanischen Künstler Gilbert Baker entworfen. Jede Farbe hat eine Bedeutung: Rot steht für Liebe und Leben, Orange für Gesundheit, Gelb für das Sonnenlicht, Grün für die Natur, Königsblau für Harmonie und Violett für den Geist.

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