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Schwul-lesbischer Fanklub : Hertha-Junxx trauern um ihren Vorsitzenden

Die Berliner Hertha-Junxx sind der erste schwul-lesbische Fanclub, waren Vorbild für viele Fußballfans in ganz Deutschland. Nun trauern die Fans von Hertha BSC um ihren Gründer.

André Görke
Immer mit Plakaten im Stadion: die Hertha-Junxx.
Immer mit Plakaten im Stadion: die Hertha-Junxx.Foto: imago/Camera 4

Die traurige Nachricht macht seit der Nacht die Runde. Nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. "Die Hertha-Junxx tragen Trauer", heißt es auf der Facebookseite des Fanclubs von Hertha BSC. "In den Abendstunden des 2. Mai 2017 ist unser Vorsitzender Gerd im Alter von 49 Jahren tödlich verunglückt. - R.I.P."

Bei Hertha fing alles an - dank Gerd

Fans vieler Klubs sprechen ihr Beileid aus, auch aus dem Ausland kommen Beiträge. Fans schreiben: "Ohne sein Engagement(...) hätte es die Gründung von Queerpass Sankt Pauli vor 15 Jahren nicht gegeben. Deshalb wird er immer einen Platz bei uns auf der Gegengerade haben." Auch erste Politiker meldeten sich zu Wort, der Klub Hertha BSC nahm ebenfalls Stellung.

"Hertha-Fan und schwul? Dit jeht"

Die "Hertha-Junxx" sind eine wichtige Größe in der deutschen Fußballfanszene. Sie waren der erste deutsche schwul-lesbische Fanclub, der sich 2001 gegründet hat - vorneweg: Gerd.

Im Hertha-Stadion hängen Spieltag für Spieltag großes Transparente des Fanclubs - zum Beispiel das: "Hertha-Fan und schwul? Dit jeht!" Oder: "Schwule Fans sind Hertha als man denkt."

Hertha: "Er repräsentierte Hertha BSC"

"Nicht nur im ersten schwul-lesbischen Fanclub in Deutschland engagierte sich Gerd mit unermüdlichem Einsatz und Erfolg für die Gleichstellung von schwulen und lesbischen Fußballfans sowie Spielern und Spielerinnen. Ebenfalls repräsentierte er Hertha BSC jedes Jahr mit seinen Mitstreitern auf dem schwul-lesbischen Straßenfest", schreibt der Klub auf seiner Homepage. Ein blau-weißer Wagen stand auch immer auf dem schwul-lesbischen Straßenfest in Schöneberg - natürlich mit Hertha-Flagge.

"Enttabuisierung der der Homosexualität im Fußballsport"

Jörg Litwinschuh von der Magnus Hirschfeld Stiftung schrieb zum Tod von Gerd Eiserbeck: "Wir trauern um Gerd. Er hat die Sichtbarkeit von Homosexuellen und die Enttabuisierung der Homosexualität im Fußballsport einen großen Schritt vorangebracht. Wir werden Dich sehr vermissen."

Ansprechpartner für Politik und Medien

Die "Hertha-Junxx" um Gerd Eiserbeck waren damit wichtige Ansprechpartner für Politiker und Medien, aber auch Vorbild für viele andere Fanszenen. Mittlerweile hat fast jeder Verein einen schwul-lesbischen Fanclub.

"Der Fußball hinkt aber noch hinterher"

"Im ersten Jahr nach unserer Gründung 2001 waren wir mit homophoben Anfeindungen konfrontiert", berichtetete der Vorsitzende der Hertha-Junxx 2014 im Tagesspiegel. "Seitdem sind wir Spieltag für Spieltag mit einem zwölf Meter großen Banner im Stadion, ohne dass es zu Vorfällen kommt. Allerdings gab es homophobe Plakataktionen gegen gegnerische Mannschaften. Wir erleben zwar einen Bewusstseinswandel in allen gesellschaftlichen Bereichen, der Fußball hinkt hier aber noch etwas hinterher. Man darf auch nicht vergessen, dass er ein Mannschaftssport ist. Das macht es für einzelne Sportler eher schwerer, sich zu outen." 

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Lesen Sie mehr im "Queerspiegel" - eine der Folgen von "Queer weiß das" lautete: "Warum braucht ihr Homo-Fanclubs im Fußball? Eine neue Folge unserer Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Diesmal geht es um schwul-lesbische Fanclubs im Fußball - und um eigene Homo-Angebote in allen Lebensbereichen."

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