Teddy Award-Verleihung : Kater trifft Kuschelbär

Zum 30. Mal wurde der Teddy Award für den besten queeren Film der Berlinale vergeben. Der Österreicher Händl Klaus gewann mit "Kater" und Christine Vachon freute sich über den Special Teddy.

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Händl Klaus gewann mit "Kater" den Spielfilm-Teddy.
Händl Klaus gewann mit "Kater" den Spielfilm-Teddy.Foto: Gregor Fischer/dpa

Vom kleinen Treffen im schwulen Buchladen zum spektakulären Berlinale-Highlight: Der Teddy hat eine beeindruckende Karriere hingelegt. Entsprechend groß war der Andrang zur Feier seines 30. Geburtstag am Freitagabend in der Kreuzberger Station. Polit-Promis wie Claudia Roth, Volker Beck und natürlich Ex-Regierender Klaus Wowereit waren dabei, Showgrößen wie Marianne Rosenberg, Romy Haag, Sven Ratzke und Tim Fischer. Regisseur Rosa von Praunheim zeigte seine rosafarbene Teddy-Hutkreation und Gloria Viagra eine imposante Blondhaar-Perrücke.

Keine Zeit, das Jubiläum des wichtigsten queeren Filmpreises zu feiern, hatte offenbar Berlinale-Leiter Dieter Kosslick. Dafür nutzte der Regierende Bürgermeister Michael Müller die Gelegenheit, ein paar Standardsätze zur politischen Bedeutung des Preises zu sagen und einen Schlenker zur Flüchtlingskrise einzubauen.

Eine Knetanimation gewinnt in den Kurzfilm-Teddy

Kämpferisch dann Wieland Speck, Leiter der Panorama-Sektion und neben dem 1994 verstorbenen Manfred Salzgeber Erfinder des Teddy Awards für den besten queeren Berlinale-Film. In Anspielung auf Angela Merkels schlechtes Bauchgefühl in Sachen Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, sagte er: „Wenn jemandem der Magen weh tut, sollte er zum Arzt gehen und nicht anderen Menschen Rechte verwehren.“

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Wieland Speck, Teddy-Vater" und Chef der Berlinale-Sektion Panorama.

Anschließend standen die Entscheidungen der neunköpfigen Teddy-Jury an. Sie hatte 30 Berlinale-Filme gesichtet und vier bronzene Teddy-Skulpturen zu vergeben. In der Kurzfilmkategorie siegte die schwedische Regisseurin Joanna Rytel mit ihrer Knetanimation „Moms on Fire“, als beste Dokumentation wurde der Tanzfilm „Kiki“ von Sara Jordenö ausgezeichnet, den Jury-Preis erhielt der chilenische Regisseur Alex Anwandter für sein Drama „Nunca vas estar solo“, in dem es um einen homophoben Überfall auf einen jungen Schwulen geht.

Die Königskategorie, den Teddy für den besten Spielfilm, konnte der Österreicher Händl Klaus mit dem Beziehungsdrama „Kater“ für sich entscheiden. Strahlend erzählte er auf der Bühne, dass es sein eigner Kater sei, der im Film mitspiele. Schade, dass es keine Darsteller-Teddys gibt.

Dafür aber einen Ehrenpreis, den Special Teddy. Den bekam US-Produzentin Christine Vachon, die von „Go Fish“ über „Hedwig and the Angry Inch“ bis hin zu „Carol“ eine imposante Liste queerer Filme produziert hat. Dafür bekam sie dann auch die einzigen Standing Ovations des Abends, als sie in ihren dicken Boots auf die Bühne stapfte. Sichtlich gerührt nahm sie den Preis entgegen. Und ab ging’s zur Party.

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