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"Zahllose belästigte Personen" : Weitere Männer erheben Missbrauchsvorwürfe gegen Kevin Spacey

"Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30, und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen": Die Missbrauchsvorwürfe gegen den Hollywoodstar werden mehr.

Hollywood-Star Kevin Spacey - Netflix kündigte inzwischen an, die Serie "House of Cards" einzustellen, in der Spacey die Hauptrolle spielt.
Hollywood-Star Kevin Spacey - Netflix kündigte inzwischen an, die Serie "House of Cards" einzustellen, in der Spacey die...Foto: AFP PHOTO / Nicholas Kamm

Der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos hat neue schwere Vorwürfe gegen Oscar-Preisträger Kevin Spacey erhoben. Während dessen Zeit als künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre habe es unzählige Übergriffe und ungewollte sexuelle Avancen gegeben.

„Viele von uns haben eine 'Kevin Spacey Geschichte'. Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30, und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen“, schrieb der 35-jährige Cavazos am Montag auf Facebook. „Es war so üblich, dass es sogar zu einem lokalen Witz wurde (von schlechtem Geschmack).“

"Einige hatten Angst, Stopp zu sagen"

Er könne die Anzahl der Personen nicht mehr zählen, die ihm die gleiche Geschichte über Spacey erzählt hätten, schreibt Cavazos weiter. Demnach habe Spacey mehrfach Schauspieler eingeladen, um „über ihre Karriere zu reden“. Nach ihrer Ankunft im Theater habe der Oscar-Preisträger die Eingeladenen mit einem vorbereitetem Picknick und Champagner auf der Bühne erwartet. Die Geschichten variierten darüber, wie weit das Picknick gegangen sei, doch die Methode sei immer die gleiche gewesen.

Cavazos berichtet weiter, dass Spacey sich auch an der Bar des Theaters Schauspielern aufgedrängt habe, die sein Interesse geweckt hätten. „Auf diese Weise hat er mich beim zweiten Mal berührt. Ich habe mich nie darauf eingelassen, aber ich weiß, dass einige Angst davor hatten, Stopp zu sagen.“ Cavazos zweifelte nicht daran, dass es weitere Fälle wie den von Spacey in London gegeben habe. „Aber keiner war so öffentlich und dreist“, schreibt der Schauspieler.

Spacey war elf Jahre an dem Theater engagiert

Spacey war zwischen 2004 und 2015 an dem Londoner Theater engagiert. In einem Statement betonte die Theaterleitung: „Ungebührliches Verhalten jedes Mitarbeiters des Old Vic ist völlig inakzeptabel.“ Beschwerden würden unter einer bestimmten Mailadresse entgegen genommen und vertraulich behandelt. „Wir haben externe Berater eingesetzt, die uns bei der Bearbeitung der eingegangenen Informationen unterstützen.“

Die britische Webseite "Pinknews" berichtete am Dienstag ebenfalls von weiteren Männern, die von Spacey belästigt sein sollen. Dazu gehört der Regisseur Tony Montana, der von einem Übergriff Spaceys aus dem Jahr 2003 erzählte, sowie ein Barkeeper. Schauspieler Anthony Rapp (46, „Star Trek: Discovery“) hatte Spacey am Wochenende eines sexuellen Übergriffs vor rund 30 Jahren beschuldigt. Er sei damals 14 Jahre alt gewesen und Spacey 26. Der Oscar-Preisträger hatte darauf mit einem Statement reagiert, dass er sich an den Vorfall nicht erinnern könne - wenn es jedoch so gewesen sei, müsse er sich entschuldigen. Gleichzeitig outete er sich als schwul.

Netflix stellt die Produktion von "House of Cards" ein

Als Reaktion auf die Belästigungsvorwürfe hat der Streamingdienst Netflix die Produktion der Erfolgsserie "House of Cards" bis auf Weiteres eingestellt, in der Spacey die Hauptrolle spielt. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, diese Entscheidung sei zusammen mit der Produktionsfirma Media Rights Capital getroffen worden. Durch den vorläufigen Produktionsstopp solle die Zeit geschaffen werden, "die Lage zu untersuchen und auf jegliche Besorgnisse der Crew" der Serie einzugehen, begründete Netflix den Beschluss. Die sechste Staffel der Serie, in der Spacey einen machthungrigen und skrupellosen Politikers spielt, sollte nach den bisherigen Planungen im nächsten Jahr gezeigt werden.

Schon vor dieser Entscheidung hatte Netflix am Montag angekündigt, dass "House of Cards" nach der sechsten Staffel komplett eingestellt wird. Dies sei aber schon länger geplant gewesen. (dpa, AFP, Tsp)


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