Quentin Tarantino in Berlin : Kreuzberger Liebe

Quentin Tarantino will wieder an die Yorckstraße ziehen. Hier wohnte der Hollywood-Regisseur bereits während der Dreharbeiten zu „Inglourious Basterds“.

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Bekennender Berlin-Fan: Wenn er nicht gerade auf dem roten Teppich steht, ist Quentin Tarantino gern in Kreuzberger Bars unterwegs.
Bekennender Berlin-Fan: Wenn er nicht gerade auf dem roten Teppich steht, ist Quentin Tarantino gern in Kreuzberger Bars...Foto: dpa

Im „Knofi“ wollten sie gleich einen Tisch für ihn reservieren. Als sie hörten, dass Quentin Tarantino, Hollywood-Regisseur mit Berlin-Faible, plane im Mai wieder für ein paar Wochen nach Kreuzberg ziehen zu wollen, machte sich Verzückung breit in dem kleinen Restaurant an der Bergmannstraße. Hier hatte Tarantino öfter gegessen, als er während der Dreharbeiten zu „Inglourious Basterds“ 2008 ein halbes Jahr in Berlin verbracht hatte. Bei der Premiere seines neuesten Werks „Django Unchained“ am Dienstagabend hatte Tarantino angekündigt, dass es ihn wieder nach Berlin ziehe. Warum er das plant, verriet Tarantino nicht.

Deniz, Tresenkraft im „Knofi“, erinnert sich, Tarantino vor zwei Jahren öfter im Viktoriapark gesehen zu haben, seine Kollegin freut sich, dass Tarantino vielleicht bald wieder hier anzutreffen ist: „Das muss ich meinem Sohn erzählen, der ist ein riesiger Tarantino-Fan!“

2008 hatte Tarantino den Sommer über in Berlin gedreht, im Einstein in Tiergarten, im unteren Saal von „Clärchens Ballhaus“ in der Auguststraße in Mitte, unter Bäumen im Grunewald, im US-Konsulat an der Clayallee in Zehlendorf.

Tarantino auf dem Roten Teppich in Berlin
US-Regisseur Quentin Tarantino gibt Autogramme bei der Premiere seines neuen Films "Django Unchained" in Berlin.Alle Bilder anzeigen
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08.01.2013 21:34US-Regisseur Quentin Tarantino gibt Autogramme bei der Premiere seines neuen Films "Django Unchained" in Berlin.

Gewohnt aber hat er in Kreuzberg und das mit großer Leidenschaft. Gleich mehrere Apartments für Familie und Freunde habe er den Sommer über gemietet, sagt Andreas Krause, der im Hotel Riehmers Hofgarten an der Rezeption steht. In dem schicken Altbau-Hinterhof-Komplex zwischen Yorckstraße, Mehringdamm, Großbeeren- und Hagelsberger Straße bekommt man vom Straßenlärm wenig mit: Kopfsteinpflaster, ein Stück gepflegte Rasenfläche, schmiedeeiserne Zäune, ein Spielplatz, auf dem trotz Regen Drei- bis Fünfjährige aus dem Kindergarten in der Hagelberger Straße toben. „Da vorne rechts, in der Großbeerenstraße hat er gewohnt“, erzählt ein Anwohner, um die Vierzig, Schirmmütze, Hornbrille, roter Schal. Auch beim Feiern habe er Tarantino mal gesehen: „Damals gab es noch das ’Skala’ in der Friedrichstraße, da ist er morgens um vier rausgetorkelt. Und in den frühen Morgenstunden habe ich ihn hier gesehen, als wir beide auf dem Nachhauseweg waren.“ Auch Schauspielkollegin Diane Kruger, die Tarantinos Apartment für ein paar Monate übernommen hatte, ist er mal begegnet. „Die kam mit ihrem Elektrosmart hier raus und ich habe ihr aus Versehen den Weg abgeschnitten“, erzählt er grinsend. „Sie hat aber ganz charmant reagiert.“

Tarantino ist nicht der einzige prominente Kreuzberg-Fan. Til Schweiger und Thomas Kretschmann haben hier Lofts gekauft, Ex-Dschungelkönig Peer Kusmagk, ein Ur-Kreuzberger, lebt im Wrangelkiez und betreibt dort in der Lausitzer Straße sein Restaurant „La Raclette“. auch „Wir sind Helden“-Frontfrau Judith Holofernes, Clemens Schick und Eva Padberg sind bekennende Kreuzberg-Liebhaber. Quentin Tarantino ist allerdings der erste Hollywood-Star, der sagt: „Wenn ich in Berlin leben wollte, dann definitiv in Kreuzberg.“

Das freut auch Thomas Lefeber, Besitzer des Plattenladens „Logo“ in der Bergmannstraße. Er hat eine ganz besondere Verbindung zu Quentin Tarantino: „Der kam mindestens sieben, acht mal her, hat ein paar Platten gekauft, wir haben uns unterhalten, er ist ja ein Musikexperte.“ Ein Foto ihm und dem Regisseur hängt an der Wand. „Ich habe hier noch eine CD für ihn, die kann er sich beim nächsten Besuch ja abholen“, sagt er.

Die schicke Mietwohnung bei Riehmers Hofgarten hat er zwar nicht behalten können, die Bars allerdings sind immer noch da. In der Haifischbar in der Arndstraße soll er öfter gesehen worden sein. Magda, die vor zwei Jahren im „Vereinszimmer Lo Spazio“ in der Kreuzbergstraße gekellnert hat, erinnert sich gut an ihre Begegnung mit dem Superstar: „Ich dreh mich um und plötzlich seh ich Quentin Tarantino!“ Ab und zu kam er auf einen Kaffee vorbei, habe immer freundlich gegrüßt.

Bei seinem jetzigen Kurz-Besuch auf Premierentour war Tarantino natürlich nicht in Kreuzberg unterwegs, sondern an klassischen Promi-Locations in Mitte: Im Restaurant Borchardt und dem Felix. Hier in Mitte hat er auch schon eine Lieblingsbar, natürlich, das „Tarantino's“ in der Brunnenstraße 163. Vielleicht bekommt er ja noch eine in Kreuzberg, wenn er im Mai wieder da ist.

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