Berlin : Rabattgesetz: Feilschen? Nicht in Berlin

Annekatrin Looss

Das Rabattgesetz soll abgeschafft werden. Schon ab August sollen Händler ihre Kunden mit Geschenken und Rabatten in unbegrenzter Höhe locken dürfen, Schnäppchenjäger täglich Preise wie beim Schlussverkauf aushandeln können. Nur der Bundesrat muss der Abschaffung des Gesetzes, das bisher nur Rabatte von höchstens drei Prozent des Kaufpreises erlaubte, noch zustimmen. Doch in Berlin kümmert das offenbar niemanden. Beim Thema Rabattgesetz zuckt die Mehrzahl der Verkäufer mit den Schultern. So auch Marco Buske, Leiter der Mexx-Filiale am Potsdamer Platz. "Gefeilscht haben einige Kunden bei uns schon immer. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern", erklärt er. Aber Rabatte gab es noch nie. Und das wird auch so bleiben. Bei Saturn eine Etage höher fragt laut Mitarbeiter Robert Buske rund jeder zehnte Kunde nach einem Rabatt. Aber auch hier habe es noch nie Rabatte gegeben. Und das wird sich auch auch in Zukunft nicht ändern. Fehlanzeige auch bei "Nanu Nana", einem Geschenkeladen, in dem neben Blumentöpfen, Vasen und Taschen viele Kleinigkeiten wie Feuerzeuge, Schlüsselanhänger oder Kerzen verkauft werden. Aber auch die gibt es nicht umsonst, egal, wieviel der Kunde kauft. Auch bei Hallhuber wird nicht gefeilscht. Nicht jetzt und nicht später. Verkäuferin Yvonne Kenda ist sich sicher: "Die Kundengruppe, die wir ansprechen, hat das nicht nötig."

Das sieht bei Woolworth an der Kurfürstenstraße möglicherweise ganz anders aus. Und tatsächlich: "Bei uns fragen die Leute jetzt öfter mal nach Rabatten", sagt Geschäftsleiter Jörn Friedrich. Doch gewährt werden sie auch hier nicht. Ebensowenig am Gemüsestand gegenüber. "Wir kalkulieren so knapp, dass kein Raum für Rabatte bleibt", erklärt Verkäufer Serkan Kara zwischen Kisten mit Melonen, Kirschen und Bananen, die zum Feilschen einladen. Aber nein, verkauft wird zum angeschriebenen Preis. Nur eine Ausnahme macht Kara: "Wenn das Obst überlagert ist, dann wird es verschenkt. Abgesehen davon habe Handeln keinen Sinn.

Der passionierte Schnäppchenjäger könnte verzweifeln, gäbe es nicht in Schöneberg das Schmuckgeschäft von Karahan Harem. Er gebe öfter mal Rabatte, sagt er. Besonders in letzter Zeit wollen viele Leute handeln. Schließlich werde das Geld bei den Leuten immer knapper. Wie hoch seine Rabatte sind, bleibt Harems Geheimnis. "Manchmal höher, manchmal niedriger", erklärt er. Als er hört, dass das Rabattgesetz abgeschafft wird, ist er erstaunt: "Rabattgesetz? Was steht da drin?"

Die Geschäfte werden sich im August nicht in Basare verwandeln. Das glaubt auch Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Gesamtverbands des Berliner Einzelhandels. "Die Händler warten ab", erklärt er. "Wo sollen die Rabatte auch herkommen bei den knappen Kalkulationen im Einzelhandel?" Viele Händler, wie Karstadt oder Douglas, wollen nach dem Wegfall des Gesetzes lieber die Besitzer der Kundenkarte mit höheren Prämien belohnen. So verwundert es nicht, dass auch die vom Verband abgebotenen Seminare zum Umgang mit Rabattfeilschern eher mäßig besucht gewesen seien. Schließlich, erklärt Busch-Petersen, sei das Feilschen auch eine Frage der Mentalität. Und der Deutsche verlasse sich eben lieber auf feste Preise.

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