Berlin : Rabbi beklagt Antisemitismus – und fordert Wowereits Eingreifen

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Einen zunehmenden Antisemitimus beklagt der Leiter des Jüdischen Lehrhauses der Lauder-Foundation, Chaim Rozwaski. In einem Brief an die Berliner Öffentlichkeit schildert Rozwaski, dass er selbst in der letzten Aprilwoche auf der Straße zwei Mal „von Rowdies angepöbelt und als Jude und auf Arabisch beschimpft“ worden sei. Da ihm danach noch weitere Angriffe auf andere Juden in Berlin bekannt wurden, meide er nun bestimmte Stadtteile und benutze in den Abendstunden keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr, so Rozwaski in dem Brief.

Um den von ihm festgestellten antisemitischen Stimmungen entgegenzuwirken, ruft Rozwaski, der als Rabbiner der Jüdischen Gemeinde amtiert, den Regierenden Bürgermeister auf, eine Konferenz von Vertretern aller Religionen in Berlin einzuberufen. Die Geistlichen sollten aufgefordert werden, „Freundschaft, Respekt und Kooperation zwischen allen Bürgern der Stadt zu predigen“, schreibt der Rabbiner. Er beklagt weiter, „dass die religiösen Behörden der moslemischen Gemeinden stillhalten und auch die protestantischen und katholischen Führer nichts sagen – anders als in den Tagen direkt nach dem 11. September 2001“, als sich Moslems von extremistischen Islamisten distanzierten. An die Schulen appelliert er, Schülern nahe zu bringen, was für Böses Hass zwischen den Menschen auslösen kann.“ Schließlich sollten Polizei und Justiz „rigoroser und strenger daran arbeiten, das Gesetz gegen diejenigen durchzusetzen, die Hass und Angst verursachen und Menschen attackieren.“ Auch die Presseberichten über die Sitution in Israel hätten einen „fruchtbaren Boden für den arabisch-islamischen Hass gegen den Staat Israel“ bereitet, so Rozwaski. Sie beruhten oft „auf falschen Informationen, verschwommenen und ungenauen Darstellungen und Lügen über Israel und das jüdische Volk“. Zudem habe „der Ruf nach Normalität“ von deutschen Schriftstellern und Politikern die Erinnerung an die deutsche Vergangenheit verwischt und „den latenten Antisemiten … erlaubt, in Deutschland wieder an die Oberfläche zu gelangen“. Rozwaski ist vor vier Jahren aus den USA nach Berlin gekommen, um für die Lauder-Foundation den Lehrstuhl aufzubauen. In seinem Brief beschreibt er, dass ihm damals in seiner Heimat viel Unverständnis entgegengeschlagen wäre. Wie könne einer, der als Kind den Holocaust erleben musste, nach Deutschland zurückkehren, hätte man ihn gefragt. Er habe dann immer geantwortet, „dass ich gehe, um den jüdischen Menschen zu dienen, die sich als Gemeinde neu entwickeln wollen“. Auch andere Rabbiner hätten ihm dazu geraten. Deutschland habe sich geändert, hätten sie gesagt. Daran zweifelt Rozwaski nun aber. Tsp

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