Berlin : Rabiater Polizist handelte offenbar in Notwehr

Kommissar hielt 27-Jährigem Pistole an den Kopf Zeugen behaupten: Er wurde massiv bedroht

Tanja Buntrock,Jörn Hasselmann

Von Tanja Buntrock

und Jörn Hasselmann

Der Fall des Polizeibeamten Hans F., der bei der Aufnahme eines Bagatellunfalls einem 27-Jährigen seine Pistole an den Kopf gehalten und eine Kollegin bedroht haben soll, nimmt eine spektakuläre Wende. Das Unfallopfer Eckart S. meldete sich am Mittwoch beim Tagesspiegel und nahm den Beamten in Schutz. Demnach soll der 27-jährige Jallal H., laut Polizei „ein Typ wie Mike Tyson im XXL-Format“, den Polizeikommissar massiv bedroht haben. Jallal H. soll der Zuhälter der Unfallfahrerin sein, die mit einem Mercedes-Cabrio SL den Radfahrer Eckart S. umfuhr.

Dass der Polizist Hans F. dem 27-Jährigenseine Pistole an den Kopf gehalten hatte, war im Einsatzbericht verschwiegen worden – und zwar mit Deckung durch Polizeiobermeisterin P., der Kollegin von F. bei dem Einsatz. Erst dreieinhalb Wochen später vertraute sich die Polizistin einem Vorgesetzten an. Zu dieser Zeit lag der Polizei schon zwei Wochen die Anzeige von Jallal H. wegen Bedrohung vor. Aber die Polizei sah das als Unfug an, die Vorwürfe klangen zu hanebüchen. So habe F. keinesfalls, wie von Jallal H. behauptet, seine eigene Kollegin mit der Waffe bedroht, und mit einem „Klick“ abgedrückt habe der Beamte auch nicht. Der Polizist Hans F. hatte offenbar Angst vor Jallal H.. Allerdings, so die Polizei, hätte der Beamte niemals irgendwem die Waffe an den Kopf drücken , sondern allenfalls in die Luft schießen dürfen. Hans F. hatte, wie berichtet, vor zehn Jahren in dem Funkstreifenwagen gesessen, der in Mitte zwei Kinder totfuhr.

Den aktuellen Vorfall schildern die beiden Unfallopfer Eckart S. und seine Begleiterin Barbara M. so: „Wir waren an jenem Abend mit dem Rad am Hackeschen Markt, als an einer Ampel ein schwarzer Mercedes falsch abbog, plötzlich mit hoher Geschwindigkeit zurücksetzte und mich dabei anfuhr“, sagt der 51-jährige Radler. Dann seien die Mercedes-Fahrerin Janina S. und ihre Beifahrerin ausgestiegen und hätten den Unfall „herunterspielen“ wollen. Doch S., der mit blutendem Knie auf der Straße lag, ließ die Polizei von seiner Begleiterin rufen. Plötzlich sei Jallal H. auf Eckart S. zugekommen, habe ihn mit der Faust gegen den Brustkorb gestoßen und beschimpft. „Ich solle die Polizei aus dem Spiel lassen, rief er.“

Als Polizeikommissar F. hinzukam, habe Jallal H. diesen geschubst und beschimpft. „Daraufhin hat der Polizist seine Pistole gezogen, sie hochgehalten und den Mann nochmals aufgefordert aufzuhören“, schildert Eckart S. Dann sei die Kollegin des Polizisten hinzugekommen und habe versucht zu deeskalieren. „Danach war Ruhe. Der Polizist steckte seine Waffe weg und schrieb weiter das Protokoll.“ Nach den Aussagen der Radfahrer habe Hans F. weder seine Pistole an den Kopf von Jallal H. gehalten, noch habe er dessen Kollegin bedroht. „Umso mehr wunderten wir uns, als uns später eine Vorladung ins Haus flatterte und wir erfuhren, dass Jallal H. Anzeigen erstattete.“

Nach Tagesspiegel-Informationen soll Jallal H., gebürtiger Ghanaer, Ehemann der Mercedes-Fahrerin Janina S. sein. Sie und die Begleiterin sollen als Prostituierte arbeiten. Das teuere Cabrio hatte Jallal H. für mehrere Monate gemietet.

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