Radfahrer : Ein Lämpchen kann lebensrettend sein

Die Polizei kontrolliert verstärkt Radfahrer. In der dunklen Jahreszeit sind sie besonders gefährdet – aber selten richtig ausgerüstet.

Werner Kurzlechner

Marco Millarch sieht genau hin – auch unter die Pudelmützen. „Und dann auch noch Kopfhörer“, sagt der Polizist. „Ist das auch nicht erlaubt?“, fragt der gestoppte Radfahrer ungläubig. Innerhalb einer Woche ist er zum zweiten Mal in eine Fahrradkontrolle der Polizei geraten, beide Male auf der Jannowitzbrücke. Das erzählt er selbst den Beamten vom Abschnitt 32 in Mitte, die derzeit unter dem Aktionsmotto „Licht oder Laufen“ verstärkt Radfahrer auf die Verkehrssicherheit ihrer Gefährte überprüfen. Der Mann ist ohne Licht und ohne Klingel unterwegs und nur bedingt lernfähig. Vergangene Woche haben ihn die Polizisten mit Hilfe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) darüber aufgeklärt, wie gefährlich Radeln ohne Licht vor allem in der dunklen Jahreszeit ist. Diesmal muss er zehn Euro zahlen. „Wir haben hier zuletzt zweimal präventiv gearbeitet, diesmal machen wir es repressiv“, sagt Dienstgruppenleiter Michael Siemers.

99 Radler fischen die Polizisten an diesem Abend in zwei Stunden heraus, 43 Sünder werden zur Kasse gebeten. Ohne Bußgeld kommt eine Touristin davon. Eine Radlerin versichert, die Batterie für ihre Steckleuchte habe gerade eben den Geist aufgegeben. Die Beamten schicken sie zum Discounter gegenüber. Viele andere müssen zahlen – um eine Lektion zu lernen, die ihr Leben retten kann.

Meist düsen höchstens fünf Fahrradfahrer am Polizisten mit der Kelle vorbei, bevor er einen herauswinkt – und das, obwohl die Uniformierten und ihre beiden Einsatzwagen von weitem zu erkennen sind. „Was glauben Sie?“, fragt Millarch einen Radler. „Welche Chancen hätten Sie bei einem Zusammenstoß mit einem Lastwagen?“ Die meisten verstehen die Botschaft – auch der Zehnjährige, der beim Losradeln nicht an seinen Dynamo gedacht hat. Ein junger Mann argumentiert, er finde die Strafe ungerecht. Schließlich könne man in Berlin oft genug an Polizisten vorbeifahren, ohne angehalten zu werden. Siemers muss ihm da rechtgeben. Mehr als punktuelle Sensibilisierungen etwa im Spätherbst seien zeitlich und personell nicht drin. Zeitgleich zur Polizeikontrolle in Mitte winken an diesem Abend an der Prenzlauer Allee ADFC und das Ordnungsamt Pankow rund 30 Radler ohne Licht heraus. Der Clou: Mitarbeiter eines Fahrradhändlers ersetzen an Ort und Stelle kaputte Lämpchen und Kabel.

Diese Aktion laufe in den kommenden Wochen weiter, berichtet Cornelius Bechtler, Verkehrsreferent des ADFC. Das gilt auch für die Kontrollen in Mitte, die Polizist Millarch für dringend geboten hält. Manche Berliner seien mit dünnen, schnittigen Modellen auf der Straße unterwegs, die ausschließlich für schnelle Runden auf einer Rennbahn gedacht seien. „Die haben kein Licht, keine Bremse und kein Schutzblech“, berichtet der Polizist. Immerhin habe er den Eindruck, das Gros der Radfahrer achte von Jahr zu Jahr besser auf die Sicherheit.

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