Berlin : Radikale Dichterin

Kerstin Deckers Buch über Else Lasker-Schüler

Von Goethe hielt sie nicht allzu viel. „Der reimte doch Wipfeln auf Gipfeln. Das darf doch kein Dichter!“ Else Lasker-Schüler dichtete anders. Zum Beispiel ein Liebespoem, das den unwahrscheinlichen Titel „Ein alter Tibetteppich“ trägt – Karl Kraus lobte es als „eines der entzückendsten und ergreifendsten Gedichte, die ich je gelesen habe“.

Gottfried Benn hielt Else Lasker-Schüler (1869 bis 1945) gar für die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte. Die deutsch-jüdische Poetin stand mit ihren expressionistischen Gedichten im Zentrum des künstlerischen Aufbruchs jener Zeit. Sie war ein Teil der Berliner Bohème der zehner und zwanziger Jahre, die sich im Café des Westens am Kurfürstendamm traf. Zu ihren Freunden zählten Franz Marc und Georg Trakl, mit Gottfried Benn war sie liiert, mit dem Schriftsteller Herwarth Walden zeitweise verheiratet. Eigenwillig war sie in höchstem Maße, von großen Erfolgen und schweren Schicksalsschlägen geprägt ihr Leben.

Tagesspiegel-Reporterin Kerstin Decker, bereits Autorin von Biografien über Heinrich Heine und Paula Modersohn-Becker, hat der „Radikalsten der Radikalen“ jetzt ein Buch gewidmet: „Mein Herz – niemandem. Das Leben der Else Lasker-Schüler“, erschienen im Propyläen Verlag, 475 Seiten, 22,90 Euro. Im Salon liest sie daraus und spricht mit Tagesspiegel-Kulturredakteurin Christina Tilmann über Leben und Werk einer faszinierenden Künstlerin, die erst in letzter Zeit wiederentdeckt wird. Die literarischen Köche von eßkultur servieren dazu Lieblingsspeisen von Else Lasker-Schüler und Jazzpianist Matthias Klünder spielt Musik aus dem Berlin der zehner und zwanziger Jahre. D.N.

Zeitung im Salon mit Kerstin Decker, Donnerstag, 9. September, 19.30 Uhr, Verlagsgebäude Der Tagesspiegel, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin-Kreuzberg. Eintritt (inklusive Sekt und Zwei-Gang-Essen) 18 Euro, Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 29021 520 von 7.30 Uhr bis 20 Uhr.

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