Radio Multikulti : Schönbohms "heilige Dreifarbigkeit"

Jörg Schönbohm steht wegen Äußerungen über den RBB-Sender Radio Multikulti in der Kritik. Brandenburgs Innenminister hatte gefordert, der Sender solle künftig "Radio Integration" oder gar "Radio Schwarz-Rot-Gold" heißen.

Potsdam - Der 68-jährige CDU-Politiker hat nach einem Bericht der «Märkischen Oderzeitung» in einem Schreiben an RBB-Intendantin Dagmar Reim eine veränderte Integrationspolitik beim RBB gefordert. Der «Multilateralismus, also die kulturelle Beliebigkeit» sei gescheitert. Der RBB müsse einen Beitrag zur Integration leisten und den Namen von Radio Multikulti ändern.

Der Sender solle «Radio Integration» heißen. «Oder man macht sich gleich die Begeisterung zunutze, die gerade junge Zuwanderer und Zuwandererkinder in den vergangenen Wochen für unsere Nationalfarben demonstrierten», fügte Schönbohm hinzu und schlug mit Blick auf die Euphorie zur Fußball-Weltmeisterschaft den Namen «Radio Schwarz-Rot-Gold» vor.

Die stellvertretende RBB-Intendantin, Hannelore Steer, verwies darauf, dass eine Namensänderung für Radio Multikulti «nicht auf der Prioritätenliste» stehe. Es handele sich um eine «erfolgreich eingeführte Radiomarke, deren publizistischer Wert sich nicht am Markennamen messen lasse». Steer unterstrich, die gesellschaftliche Debatte vollziehe nunmehr das nach, was sich bei Radio Multikulti bereits seit Jahren in der programmlichen Wirklichkeit ausdrücke: Integration brauche einen gemeinsamen Begegnungsraum. Aus diesem Grund sende Radio Multikulti täglich elf Stunden in deutscher Sprache. Ziel der Sendungen in Fremdsprachen sei es, Menschen mit Migrationshintergrund an diesen Begegnungsraum heranzuführen.

"Mit Geschwätz ins Gerede gebracht"

SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness fühlte sich an andere sinnlose Sommerloch-Vorschläge der Union erinnert. Schönbohm habe wieder einmal seine «abgrundtiefe Ablehnung jedes Alt-68er-Gedankenguts» zum Ausdruck gebracht. Dabei stamme die Idee des Multikulti aus der von ihm so verehrten USA. In Berlin lebten mehrere 100.000 Ausländer. Für sie unterbreite Radio Multikulti ein Angebot. Das sei ein wichtiger Beitrag zur Integration.

Auch aus Sicht der Medienexpertin der Linkspartei-Fraktion im Landtag, Kerstin Meier, verdient der Sender seinen Namen. Wer aus der Fußball-WM den «Hegemonialanspruch einer heiligen Dreifarbigkeit» ableite, habe die «Weltparty» nicht verstanden. Rechtsextremismus sei in Brandenburg ein reales Problem. Es wäre ein verheerendes Zeichen, aus einem Radiosender mit dem Bekenntnis zu Weltoffenheit und Toleranz im Namen einen Nationalsender zu machen.

Das von der Linkspartei vorgeschlagene RBB-Rundfunkratsmitglied Hanno Harnisch ergänzte: «Aus Schwarz-Rot-Gold wird Schwarz-Rot-Senf.» Es sei Schönbohm wieder einmal gelungen, sich mit Geschwätz ins Gerede zu bringen. Deutschland sei ein Einwanderungsland. Radio Multikulti sende in der Hauptstadt in 30 Sprachen und sei damit ein Integrationssender. (Von Susann Fischer, ddp)

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