Radler haben Vorrang : Bergmannstraße als Fahrradstraße gewürdigt

Die östliche Bergmannstraße wird für ihre Radler-Freundlichkeit mit einem Preis geehrt. Und wo macht Radfahren Ihrer Meinung nach sonst noch Spaß? Diskutieren Sie mit!

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Freie Fahrt auf der Bergmannstraße.
Freie Fahrt auf der Bergmannstraße.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Es gibt sicher praktischere Geschenke als diesen ausrangierten Fahrradlenker, den die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling eigenhändig golden angesprüht und am Montag dem Friedrichshain- Kreuzberger Baustadtrat Hans Panhoff überreicht hat. Aber als ebenfalls Grüner weiß Panhoff um den symbolischen Wert des Präsents – und will ihm einen würdigen Vitrinenplatz im Eingangsbereich des Kreuzberger Rathauses einräumen.

Mit dem „Goldenen Lenker“ wird die Ausweisung des östlichen Teils der Bergmannstraße als Fahrradstraße gewürdigt. Seit September 2008 dürfen zwischen Marheinekeplatz und Südstern nur noch Anlieger mit ihren Autos fahren; Radler haben Vorrang. Diese Lösung bekam vom Publikum des Umweltfestivals zur Fahrradsternfahrt im Juni die meisten Pluspunkte. Allerdings war die Konkurrenz nicht groß, denn auf einen Aufruf der Grünen-Fraktion hin gingen laut Hämmerling nur sechs Vorschläge ein. Fürs Negativ-Pendant, die „Verbogene Felge“, seien dagegen fast 200 Vorschläge gekommen. Das Publikum kürte die für Radler nach wie vor lebensgefährliche Leipziger Straße zum größten Murks – und Hämmerling überreichte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) das unfallgeschädigte Teil am Rande der letzten Plenarsitzung. Allerdings ist die auf den Autoverkehr zugeschnittene Leipziger kein neues Werk der Verkehrsplaner.

Als zweitschlechteste Lösung wählte das Publikum die Baustelle am Tempelhofer Damm unter der Autobahnbrücke, wo Rad- und Gehweg komplett verbarrikadiert und mit Sperrschildern versehen wurden. Fürs zweitbeste Angebot im Sinne der Radler wurden dagegen die vielen Fahrradabstellbügel an der Greifenhagener Straße hinter den Schönhauser-Allee-Arkaden befunden.

Nach Auskunft von Stadtrat Panhoff gibt es Überlegungen, auch den westlichen Teil der Bergmannstraße – dieser Bereich ist von Fußgängern und Radlern stärker frequentiert – als Fahrradstraße auszuweisen. Allerdings sei die Idee noch vage und bedinge Umbauten sowie Akzeptanz durch die Anwohner. Denkbar wäre auch, Tempo 10 auszuweisen, wie es Mitte nördlich des Hackeschen Marktes getan hat. Die Regelung hat sich aus Sicht des Bezirksamtes Mitte insgesamt bewährt. Bei diesem Tempolimit müssen sich allerdings auch viele Radler zügeln.

Nach einer Schätzung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist der Anteil des Radverkehrs stadtweit auf inzwischen rund 15 Prozent gestiegen; in der Innenstadt liegt er teils weit darüber. Weitere wichtige – und seit Jahren überfällige – Verbesserungen für die Radler lassen allerdings weiter auf sich warten. Bevor auf der Gitschiner Straße in Kreuzberg eine Fahrradspur markiert werden kann, muss die BVG laut Panhoff noch Arbeiten am U-Bahn-Viadukt planen. Auch der seit langem angekündigte Umbau des Kottbusser Tors – einer der größten Unfallschwerpunkte für Radler – könne erst Ende des Jahres beginnen, weil die BVG noch Eingänge zur U-Bahn verlegen müsse. Der Bezirk wolle aber demnächst eine legale Direktverbindung zwischen Kottbusser und Admiralstraße schaffen.

Die Fehlkonstruktion am Nelly-Sachs- Park, wo ein vier Meter breiter Radweg in den Gegenverkehr am Bülowbogen führt, wird im August vier Jahre alt. Eine parlamentarische Anfrage der CDU ergab jetzt, dass ein von der Stadtentwicklungs- an die Wirtschaftsverwaltung gestellter Förderantrag für einen Anschluss „grundsätzlich bewilligungsreif“ sei. Im Rathaus Tempelhof-Schöneberg hieß es, man warte darauf, bevor man den Weiterbau veranlassen könne.

Das Ordnungsamt Mitte will sich nach Auskunft von Stadtrat Carsten Spallek (CDU) in diesem Monat verstärkt Zweite-Reihe-Parker vorknöpfen. Diese Unsitte sei nicht nur lästig für andere Autofahrer, sondern auch gefährlich, wenn Rettungswagen ausgebremst und Radler zu Slalom gezwungen würden.

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