Radrennen : 12.000 Amateure rollten quer durch Berlin

120 Kilometer durch Berlin und Brandenburg: Die Teilnehmer des dritten Skoda Velothons kamen sogar aus Italien. In diesem Jahr führte die Route erstmals über den ehemaligen Flughafen Tempelhof.

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Wenn Fahrräder sich schämen könnten. Da steht ein Mountainbike im Tiergarten, verrostet und verstaubt, mit altmodischem Gepäckträger, umgeben von Profi-Rennrädern der 12 000 Teilnehmer des dritten Velothon durch Berlin und Brandenburg. Viele so teuer wie ein gebrauchter Kleinwagen, alle gestylt wie Exponate einer Designgalerie, so federleicht wie ein paar Tafeln Schokolade. Für das Rennen leitet die BVG Dutzende Busse und Trams um, und Autofahrer machen brav an den Straßensperrungen kehrt.

Unter den Linden bereiten sich Alexandra Pagano und James Laryea auf den Start vor. 1500 Kilometer Autofahrt liegen hinter den beiden, in 13,5 Stunden von Rom nach Berlin. Und dann das: Alexandra, die selbst nicht mitfährt, lässt das Rad ihres Partners aus Versehen umfallen. Es stürzt auf den Gangschaltungsregler. Und kein Mechaniker zu sehen!

94,3 Kilometer später, nach einem großen Stück des 120-Kilometer-Amateurrennens, ist die Welt wieder in Ordnung. Alexandra Pagano steht mit Regenschirm und Kamera am Tempelhofer Damm, studiert den Rennplan. Jetzt schnell hochschauen! Die erste Gruppe naht, die Profis um Erik Zabel. Kurz darauf sirren die Verfolger heran. Ganz vorn: James Laryea. „Die Straßen hier sind im Vergleich zu Rom nicht so hügelig, und die Sportler verhalten sich viel rücksichtsvoller, deswegen konnte ich die schnellste Zeit meiner Karriere fahren, über 40 Stundenkilometer schnell im Schnitt“, freut er sich später. Die Radfahrernation Italien verhält sich auf dem Bike hingegen wie im Auto, sagt er: ordentlich reindrängeln, passt schon.

In Italien erobern die Radfahrer am Wochenende sogar die Bundesstraßen. In Berlin reihen sich derweil die Autofahrer geduldig auf der Abbiegespur zur Autobahn ein, die Umfahrung des Velothons. Der Infoflyer zum Rennen warnt: „Tempelhofer Damm – schlechter Fahrbahnbelag“. Da müsste der eine oder andere Hintern trotz Polsterhosen bei Kilometer 56,7 an der Karl-Liebknecht-Straße schon wehtun. „Schienenquerung im Kurvenbereich“, steht obendrein für den Streckenpunkt im Flyer. „Bei anderen Rennen sind die Gefahren an der Strecke groß ausgeschildert, das fehlt hier“, sagt Pagano. Und schön wäre, wenn die Radler nicht an den Verpflegungspunkten absteigen müssten. Dennoch habe Berlin alles „gut organisiert“. In Italien gibt’s bei der After-Race-Party Pasta, Expresso und Wein. Im Ziel am Brandenburger Tor trifft man sich zur Openair-Messe mit Show, Shoppen und Schoppen. James Laryea hatte gebetet, es möge wegen der Sicherheit nicht regnen. Der Guss kam am Schluss. Annette Kögel

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