Berlin : Radweg als teures Pflaster

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Erst kamen die Halteverbote, dann wurde das Kopfsteinpflaster aufgerissen. Als sie erfuhren, dass hier für 312 000 Mark ein neuer Radweg gebaut werden soll, reagierten viele Betroffene in der ruhigen Fichtestraße empört. Einer von ihnen, der frühere Regierende Bürgermeister Walter Momper (SPD), nennt das Vorhaben "absurd". Jetzt wurde ein Baustopp verfügt. "Wir sind nicht gegen einen Radweg, meinen aber, es gibt Alternativen", sagt Anwohnerin Eva Siems. Sinnvoller fände man eine Einbahnregelung oder eine Verkehrsberuhigung der Tempo-30-Straße. Doch die Betroffenen sind nicht gefragt worden. "Die Information der Anwohner ist schlecht gelaufen", gibt Baustadtrat Franz Schulz (Bündnis 90 / Grüne) zu.

Das Geld kann aber nicht - wie von den Kreuzbergern gefordert - für die Sanierung von Kitas oder Schulen genutzt werden, sagt der Dezernent. Er spricht von einem "politischen Dilemma". Die Mittel sind zweckgebunden und stammen ebenso wie die aus seiner Sicht sinnvolle Planung des Radwege-Ergänzungsnetzes von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Fichtestraße bildet die Verlängerung einer bereits vorhandenen Veloroute. Dagegen hat die Straßenverkehrsbehörde eine Radspur in der von Momper als Alternative vorgeschlagenen Körtestraße wegen des starken Fahrzeugaufkommens abgelehnt.

Die Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung gibt den Schwarzen Peter an den Bezirk zurück. Es werde einen Radweg in der Fichtestraße geben, aber "keinen goldenen", so Petra Reetz. Die von Friedrichshain-Kreuzberg gewählte Variante mit einer Unterbauung "in Autobahnqualität" sei überflüssig, es reiche etwas Asphalt auf den Steinen. Dann könne man mit dem Geld noch ein paar hundert Meter mehr bauen.

Auch in seiner politischen Heimat Reinickendorf kämpft Momper gegen einen Radweg, der auf Heiligensee- und Konradshöher Straße markiert werden soll. Das Thema wurde im Wahlkampf zum Parteienstreit, die CDU initiierte wegen der Gefährlichkeit der unbeleuchteten Waldstraßen eine Unterschriftenaktion. Tatsache ist, dass der parallel verlaufende, kombinierte Rad- und Fußweg nach einem Gerichtsurteil nicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Und er könnte nur nach teuren Grundstückskäufen und massiven Baumfällungen ausreichend verbreitert werden. In den nächsten Tagen wollen die Betroffenen mit der Senatsverwaltung Lösungswege diskutieren.

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