Berlin : Rächer mit Panzermine und Pistole

Heute beginnt der Prozess gegen den Rentner, der das Landessozialgericht in die Luft sprengen wollte

Jörn Hasselmann

Es war kurz nach elf, als Wolfgang F. das Gerichtsgebäude betrat – bewaffnet mit einer scharfen Pistole und einer russischen Panzermine. Die Pförtnerin machte seine ausgebeulte Jacke stutzig. Als sich Rosemarie R. dem 62-Jährigen in den Weg stellte und fragte, wo er denn hinwolle, rief der Mann laut: „Aus dem Weg! Das regele ich alleine.“

Vermutlich ist es der resoluten Pförtnerin zu verdanken, dass am 14. September im Landessozialgericht in Mitte niemand verletzt wurde. Zeugen berichteten, dass Wolfgang F. einen verwirrten Eindruck machte. Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte die Taten „zumindest im Zustand der verminderten Schuldfähigkeit“ beging; sie strebt seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Am morgigen Mittwoch beginnt im Moabiter Kriminalgericht der Prozess gegen den verhinderten Attentäter.

Wolfgang F. hatte sich nicht ergeben, nachdem er von der Pförtnerin gestellt worden war. Er zog seine Pistole und rannte die Treppen hoch. Während Rosemarie R. die Polizei rief, stellte Wolfgang F. im ersten Stock die Panzermine auf den Boden des Korridors. Die Streifenpolizisten vom nahe gelegenen Abschnitt 33 warteten nicht aufs SEK, sondern überwältigten den Bewaffneten.

Wolfgang F. suchte Vergeltung. Im Jahr 1972 hatte der Berliner einen Arbeitsunfall erlitten, seitdem fühlte er sich von den Ärzten falsch behandelt und von der Justiz um Rentenansprüche betrogen. F. hielt sich selbst für arbeitsunfähig, das nahmen ihm die Behörden jedoch nicht ab.Seit Jahren hatte der Frührentner gegen Ärzte und Krankenkassen prozessiert, immer verloren. Schließlich fasste Wolfgang F. den Entschluss, sich zu rächen. „Wolfgang F. wollte Ärzte, Gutachter, Juristen anprangern“, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

Wolfgang F. hatte sich vor einigen Jahren selbstständig gemacht und eine Wäscherei in Neukölln betrieben. 2001 war er in das brandenburgische Dorf Vogelsang gezogen. In der Nähe gab es früher sowjetische Kasernen, aus denen vermutlich die Panzermine stammte, die Wolfgang F. ins Gericht brachte. Sieben Kilo Sprengstoff hätten ausgereicht, das komplette Gebäude an der Invalidenstraße in Tiergarten zu zerstören.

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