Berlin : Rätselhafte Vorgänge in einer Berliner Kanzlei

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Die Auseinandersetzung zwischen zwei Rechtsanwälten um die bevorstehende Auflösung der gemeinsamen Kanzlei hat gestern Nachmittag zu einem großen Polizeieinsatz und mehrstündiger Sperrung eines Teils der Straße Unter den Linden geführt. Gegen 8.30 Uhr hatte der aus der Sozietät ausscheidende Anwalt mit einem Begleiter - möglicherweise einer Art Leibwächter - die Kanzlei im dritten Stockwerk im Hinterhaus Unter den Linden 12 betreten. Er verlangte die Anwältin zu sprechen, um mit ihr noch ungeklärte geschäftliche Angelegenheiten zu bereden. Zu diesem Zeitpunkt war aber nur die Sekretärin anwesend.

Kurz darauf rief zwar die ehemalige Partnerin des Anwalts an, das Gespräch wurde aber abrupt unterbrochen - vermutlich von ihrem früheren Partner. Anschließend war kein telefonischer Kontakt mit der Kanzlei mehr möglich. Die Ursache für den Ausfall des Telefons war gestern Nachmittag noch nicht geklärt.

Gegen Mittag benachrichtigte die Anwältin die Polizei, die wegen der ungeklärten Lage in dem Anwaltsbüro eine Geiselnahme durch den Eindringling nicht ausschloss. Die Linden wurden ab der Friedrichstraße beidseitig für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt, die Neugierigen in den Straßencafés durften aber trotz der völlig offenen Situation sitzen bleiben. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) wurde angefordert, um notfalls die Kanzlei zu stürmen und die - vermeintliche - Geisel zu befreien.

Dann aber ging gegen 14.20 Uhr alles schnell und unspektakulär: Als der eingedrungene Anwalt die Polizei sah, habe er freiwillig die Kanzlei verlassen und sei sofort von Spezialkräften festgenommen worden, die sich bereits vor dem Büro postiert hatten, sagte ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA). Weder der Anwalt noch sein Begleiter leisteten nach Auskunft eines Polizeisprechers bei der Festnahme Widerstand.

Bis zum Abend war es noch ungeklärt, ob tatsächlich die Mitarbeiterin der Rechtsanwaltskanzlei als Geisel genommen worden war: "Wir wissen nicht, ob sie bedroht und daran gehindert wurde, das Büro zu verlassen", hieß es bei der Polizei. Waffen seien bei den beiden festgenommenen Männern nicht gefunden worden.

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