Berlin : Rätselraten nach Anschlag auf Moabiter Autohändler

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Die Polizei rätselt noch immer über die Hintergründe des Sprengstoffanschlags auf die Gebrauchtwagenfirma „Blickpunkt“ an der Quitzow- / Ecke Perleberger Straße in Tiergarten. Bei der Explosion eines Sprengsatzes auf dem Gehweg war am Sonnabendabend ein 21 Jahre alter Kunde leicht verletzt worden. Er erlitt nach Auskunft der Polizei ein Knalltrauma. Die ebenfalls anwesende Prokuristin blieb unverletzt.

Zahlreiche Fahrzeuge auf dem Hof des Händlers und auf der Straße seien beschädigt worden. In einem Geschäft mit italienischen Spezialitäten, das der Autofirma gegenüber liegt, wurde ein Fenster durchschlagen. Es entstand ein Loch mit einem Durchmesser von etwa 20 Zentimetern. Angeblich soll das Fenster durch die Druckwelle der Explosion zerstört worden sein. Dem widersprach der Inhaber des Geschäftes, Italo Altieri. Ein Gegenstand habe die Doppelscheibe zertrümmert, sagte er. Gefunden worden sei bisher allerdings nichts. Sein Fenster ist das einzige, das in der Umgebung zu Bruch ging. Eine Druckwelle hätte dagegen zahlreiche Scheiben in den Häusern zerstört.

Der Staatsschutz der Polizei will diesen Fall abgeben. In diesem Fall sei kein politischer Hintergrund erkennbar, hieß es gestern. Der Staatsschutz wird automatisch bei Sprengstoffverbrechen und Taten mit politischen Motiven eingeschaltet. Heute allerdings will die Abteilung des Landeskriminalamtes (LKA) prüfen, ob der Fall in ihr Ressort fällt. Sie ermittelt bei Delikten des Organisierten Verbrechens (OK). Dabei soll der Frage nachgegangen werden, ob der Anschlag mit Schutzgelderpressungen zusammenhängen könne, hieß dazu gestern aus dem LKA. Aktuelle Fälle von Schutzgelderpressung in diesem Gebiet seien derzeit nicht bekannt. Allerdings hob die Polizei vor schätzungsweise einem Jahr eine russische Bande aus, die seinerzeit Geschäftsleute entlang der Beusselstraße erpresst hatte.

Mustafa Terker, Inhaber eines türkischen Imbisses an der Lehrter- / Ecke Perleberger Straße, vermutete gestern, dass hinter dem Anschlag auf den Gebrauchtwagenhandel durchaus Erpresser von Schutzgeldern stecken könnten. Anhaltspunkte habe er aber nicht. Er werde nicht erpresst, sagte Terker.

Es gibt offenbar nur wenige Augenzeugen des Anschlags vom Sonnabend. In den umliegenden Geschäften hörte man zwar den Knall, doch niemand sah einen Täter. Auch Mustafa Terker nicht, obwohl er sich noch kurz vor der Explosion vor seinem Imbiss auf dem Gehweg aufhielt.weso

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