Berlin : Räuberische Erpressung: Auf der Massagebank verhaftet

Peter Murakami

Ein Jahr und drei Monate auf Bewährung wegen räuberischer Erpressung in einem minder schweren Fall, lautet das Urteil gegen den 22-jährigen Erdal T. am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht. Der Tischlerlehrling gestand, am 10.Februar vergangenen Jahres um 19.30 Uhr in einen Massagesalon in Wedding eingedrungen zu sein und dort mit gezücktem Butterflymesser 200 DM gefordert zu haben. Mit dem Geld, erklärte er der verdutzten Empfangsfrau, wolle er sich eine Massage leisten.

Die Frau erklärte dem jungen Mann, dass sie kein Geld habe. Aber dafür könne er eine Massage erhalten. Er solle nach hinten gehen und es sich schon mal bequem machen, erklärte die Frau und versprach, in der Zwischenzeit zwei Kolleginnen zu ihm zu schicken, die ihn angemessen massieren würden.

Erdal T. entkleidete sich brav und überließ sich den professionellen Händen der zwei Thai-Frauen. Das Vergnügen währte allerdings nicht lange, da bereits nach wenigen Minuten die Polizei eintraf und Erdal T. vom Massagetisch weg verhaftete.

Einige Tage nach der Tat erschien der Mann auf der zuständigen Polizeiwache und bezichtigte die Frauen, ihm bei dem Besuch 100 DM aus der Jackentasche gestohlen zu haben. Deshalb musste er sich jetzt vor Gericht auch noch wegen falscher Anschuldigung verantworten.

"Es trifft alles so zu. Ich betrachte mich als schuldig", erklärte der Beschuldigte, nachdem die Staatsanwältin die Anklage verlesen hatte. "Ich wollte ein bisschen Geld, obwohl ich wusste, das es Scheiße war und ich völlig gegen Kriminalität bin", erklärte T. vor Gericht. Er habe damals rund 3000 DM Schulden bei seiner Bank gehabt und nicht gewusst, wie er diese abzahlen sollte. Deshalb sei er auf die Idee mit dem Massagesalon gekommen, den er zuvor schon öfter mal besucht habe.

Trotz einiger Ungereimtheiten gab sich das Gericht mit dieser Erklärung des jungen Mannes zufrieden. Bei der Urteilsbegründung unterstrich der Richter noch einmal das geradezu schwachsinnige Verhalten des Mannes, der sich "wie ein Lamm auf die Massagebank legte" und sich massieren ließ, während draußen schon die Polizei vorfuhr. Angesichts der Tatumstände sei schon die Verhängung der Mindeststrafe, die bei schwerer räuberischer Erpressung bei fünf Jahren liegt, geradezu grotesk, sagte der Richter. Die Kammer ging deshalb von einem minderschweren Fall aus und setzte die 15-monatige Strafe zur Bewährung aus.

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