Berlin : Räumfahrt nach Dresden

80 Müllautos sammeln an der Elbe durchweichte Möbel ein

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Eigentlich wollte Hans-Ulrich Hübenthal vom Berliner Recycling-Service (brs), einer BSR-Tochter, gestern an den Wannsee. Stattdessen führte ihn sein Ausflug nach Dresden. Hier konnte er bei hochsommerlichen Temperaturen nur im eigenen Schweiß baden: „Wir sammeln im Stadtteil Mickten Sperrmüll und fahren ihn zur Deponie.“

Ein Konvoi von 80 Müllwagen war gestern früh um fünf in Berlin gestartet, um bei der Beseitigung der meterhohen Müllberge auf den Straßen der sächsischen Landeshauptstadt zu helfen. Auf jedes Berliner Fahrzeug wurde in Dresden ein heimischer Fahrer gesetzt. „Die Berliner sind Spitze“ sagte der Dresdner Müllfahrer Peter Parduhn. Dabei bekommen seine Kollegen die Sonderschicht nicht einmal bezahlt. „Wir kannten die Müll-Bilder ja aus dem Fernsehen. Aber so schlimm hatten wir es uns nicht vorgestellt“, sagte der Berliner Thomas Jasmund fassungslos. Trotz Räumaktionen im Akkord wurden die Saubermänner des Sperrmülls nicht Herr.

Und das, obwohl sieben Tonnen Müll in jedes Fahrzeug passen. 8000 Tonnen gammeln auf Dresdens Straßen vor sich hin – aufgequollen und übel riechend. Überall werden abgesoffene Keller und Wohnungen ausgeräumt. Das gesamte Mobiliar einer Stadt scheint zum Himmel zu stinken. „Für unsere 50 Dresdner Müllpressfahrzeuge ist das nicht zu bewältigen“, klagte Volkmar Lautenbach, Leiter der Dresdner Abfallberatung. Deshalb hatten sich die Berliner zu dem Hilfseinsatz entschlossen – mit einstimmigem Beschluss.

Dresdens Abfallberater Lautenbach hat beobachtet, dass sich der Müll „auf wundersame Weise vermehrt“. Denn weil der Abtransport kostenlos ist, entmüllen auch viele Dresdner ihre Keller, Böden, Garagen und Gartenlauben, die gar nicht unmittelbar vom Hochwasser betroffen waren. Lautenbach: „Inzwischen mussten wir unsere Entrümpelungsaktion fast auf alle Stadtteile ausdehnen.“ Erst in der Abenddämmerung machten sich die Berliner auf den Rückweg. Die 23 Männer mit acht Kehr- und Räummaschinen, die schon am Donnerstag nach Sachsen gefahren waren, sollen mindestens bis Mittwoch bleiben.Uwe Blümel / Stefan Jacobs

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