Berlin : RAF-Schau provoziert die CDU Henkel kritisiert „Legendenbildung“

22 Jahre lang saß der RAF-Terrorist Rolf Heißler im Gefängnis. An die 2000 Zusendungen hat er nicht erhalten, weil sie beschlagnahmt worden sind. Der Ausstellungsmacher Joachim Baur zeigt nun Briefe, Karten, Flugblätter, die an den Gefangenen Rolf Heißler adressiert waren, in der Galerie „after the butcher“, um „die Bedingungen der Isolationshaft“ sichtbar zu machen. Nach vielerlei Aufregung über die Äußerungen ehemaliger RAF-Leute zum Deutschen Herbst provoziert das Ausstellungsvorhaben die Berliner Politik nicht weiter – abgesehen von der CDU.

Deren Generalsekretär und Abgeordneter Frank Henkel findet die Schau der Objekte allerdings „geschmacklos“, wie er sagt. „So eine Ausstellung braucht niemand“, so Henkel weiter. Sie diene nur der „Legendenbildung“. Das zeige zum Beispiel der Begriff „Isolationshaft“ oder die Formulierung, dass Heißler im Gefängnis „Widerstand“ gegen den Versuch der Kontrolle geleistet habe, indem er Beschwerde einlegte, wenn wieder Sendungen an ihn beschlagnahmt worden waren. Die RAF, so Henkel, sei keine politische Bewegung gewesen, sondern „eine Mörderbande“. Die Ausstellung solle deren Verbrechen „weltanschaulich aufwerten“ – das nehme er nicht unwidersprochen hin.

Dagegen sagt der Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann, er fände es richtig, zu zeigen, wie die Justiz mit Häftlingen wie Heißler umging. Es habe eben nicht nur den „Hotelvollzug“ in Stuttgart-Stammheim gegeben. Die Kulturpolitiker der SPD- und der Linksfraktion, Brigitte Lange und Wolfgang Brauer, haben mit der Schau in der privaten Galerie keine Probleme. Lange findet sie „viel zu banal, als dass es problematisch wäre“. Brauer will sie sich immerhin ansehen, wenn er in der Gegend ist. wvb.

„Beschlagnahmt: Rolf Heißler“ soll am Freitag um 19 Uhr in der Galerie „after the butcher“ in der Spittastraße 25 in Lichtenberg eröffnet werden. Rolf Heißler will am Sonntag um 18 Uhr mit dem Ausstellungsmacher Joachim Baur diskutieren.

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