Berlin : Rafal Olbinski: Sexy wie das neue Warschau

Amory Burchard

Er kommt aus New York, hat seit 1982 nicht in seiner Heimatstadt Warschau gelebt und wirbt mit einem sexy Nixen-Plakat für die Polnische Woche in Berlin. Es sei wohl eine Laune dieser verrückten Welt, die ihm diese Ehre verschafft habe, sagt Rafal Olbinski bei der Eröffnung seiner Werkschau im Willy-Brandt-Haus. Ein gewisses Lächeln schickt er in den Saal, die gebräunte Hand streicht über den kurzen Vollbart. Der große Olbinski im kleinen Berlin oder der kleine Olbinski im großen Berlin?

Wer den 55-jährigen Meister am Sonntagabend in Glitzersmoking und knallroten Lackschuhen inmitten eines lebenden Bildes seiner wie immer weiblichen und wie immer schönen Kunstgeschöpfe sitzen sah, ahnte die Antwort. Der Kunsthistoriker Friedrich Meschede vom Akademischen Austausch-Dienst DAAD wusste, warum sich Berlin glücklich schätzen kann, endlich die erste Ausstellung des polnischen Malers und Illustrators zu sehen: Olbinski sei ein Bildererfinder, der Träume bannt; ein Surrealist, der schöne Figuren in fremdartigen Proportionen in mit vielen Details ausgestattete Landschaften stellt. Außerdem malt Olbinski für politische Magazine wie Newsweek und Spiegel sprechende Titelbilder und lockt die Amerikaner mit Meisterwerken der polnischen Plakatkunst in die Oper. Das Motiv der halb barbusigen Warschauer Wappen-Nixe, die den Berlinern die Polnische Woche ans Herz legt, interpretierte der Künstler später so: Seine Nixe sei "sexy und schön wie das neue Warschau."

Die opulente Inszenierung zum Auftakt der Olbinski-Ausstellung hatte sich der Künstler nicht selber ausgedacht. Es war Isabella Chelkowska, Bühnen- und Kostümbildnerin der Warschauer Oper, die den surrealen Plakatschönheiten Beine machte und den Künstler in ihr lebendes Bild auf Rollrasen setzte. Aber gefallen hat Olbinski die furiose Vernissage: "Wir Künstler leben doch für solche Abende. Wir werden uns am Ende unseres Lebens nur an wenige Momente erinnern. Dies ist ein solcher Moment."

Vor 25 Jahren kam Olbinski, damals Student in Warschau, schon einmal für einen Tag nach West-Berlin - um "im einzigen guten Schuhladen des Ostblocks" einzukaufen. Die roten Lackschuhe fand er vor vier Jahren in New York und trägt sie seitdem als "Markenzeichen".

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