Rainer Maria Woelki : Der Unbeschriebene
05.07.2011 21:53 Uhr
Wer sich Rainer Maria Woelki auf dem buchstäblichen Weg nähern wollte und wer immer hoffte, Entlastendes oder auch Belastendes zu entdecken, der wurde enttäuscht. Die Schrift, für die Rainer Maria Woelki, 54, der künftige Erzbischof von Berlin, an der Universität Santa Croce in Rom den Doktortitel erhielt, ist verschwunden.
Zwei Exemplare der Arbeit aus dem Jahr 2000 mit dem Titel „Die Pfarrei: ein Beitrag zu ihrer ekklesiologischen Ortsbestimmung“ hat es zum Nachschlagen gegeben, eins stand in der römischen Universität, das andere in der Diözesanbibliothek von Köln. Doch wer die am Montagmorgen bestellt hatte, wurde am Mittag informiert, dass das Buch weg sei.
Nicht ausgeliehen, sondern weg. Seit Dienstag hat es im Bibliothekskatalog den rot schillernden Status „vermisst“.
Die Universität Santa Croce in Rom wird von der katholischen Geheimorganisation Opus Dei geleitet. Opus Dei ist für viele ein Reizwort. Es klingt nach Weltverschwörung und Dornengürtel, nach unerbittlicher Strenge und Enge. Wer dort hineingerät, kommt so schnell nicht mehr heraus, sagen Kritiker. Opus Dei, so könnte man sagen, ist alles, was Berlin nicht ist. Aber so kann man Rainer Maria Woelki nicht kommen.
Er erklärt am Dienstagmittag, bei seinem ersten Auftritt in Berlin, einer Pressekonferenz in der Katholischen Akademie, die Kritik an Opus Dei basiere auf „Romaninhalten“, da werde etwas unterstellt, das sollten die Kritiker mal nachweisen. Vielmehr doch sei Opus Dei eine Gruppe von vielen in der katholischen Kirche, die ihrerseits „ein lebendiger, verzweigter Verein“ sei. In den habe sich Opus Dei gut eingefunden. Die machten eine gute Arbeit, auch hier in Berlin. Er selbst sei kein Mitglied bei Opus Dei, aber es habe ihm „schon ein bisschen wehgetan“, wie deren Arbeit diffamiert werde. Mehr will er dazu jetzt nicht sagen.
Noch ist Rainer Maria Woelki Weihbischof in Köln, doch seit Sonnabend ist klar, dass er der neue Berliner Erzbischof wird, Ende August wird er ins Amt eingeführt. Und seit Sonnabend lief es in den Nachrichten hoch und runter: Nähe zu Opus Dei, Vertrauter des Kölner Kardinals Joachim Meisner, konservativ. Für viele Berliner sind das keine guten Nachrichten.
Zur Pressekonferenz kam ein freundlicher Mann über den Hof der Katholischen Akademie geschlendert. Woelki wirkt wie ein großer Junge, schlaksig, die Schultern leicht nach vorne hängend, auf der Nase eine runde Harry-Potter-Brille. Er grüßt die Kirchenvertreter und geht als Erstes in die Kapelle der Akademie. Dort ist ein Foto von Kardinal Georg Sterzinsky aufgestellt, der vergangenen Donnerstag gestorben ist. Woelki kniet kurz nieder.
Der Auftritt: demütig. Die Antworten: knapp. Lesen Sie weiter auf Seite 2.















