Berlin : Ran an den Bauch!

Wir mögen keine Speckfalten. Dabei ist eine kleine, äußere Speckschicht gar nicht so ungesund Richtig gefährlich dagegen ist das Fett, das im Innern des Körpers verborgen liegt: das „innere Bauchfett“

Bas Kast

Wir sind eitle Geschöpfe, und wenn, wie jetzt, der Sommer vor der Tür steht, heißt es wieder: ran an die Speckfalten! Ran an die dicken Oberschenkel und den Hintern!

Aber es gibt Speck und Speck. Und gerade jene Speckfalten, die man zwischen die Finger nehmen und sich dann prima drüber aufregen kann, sind gesundheitstechnisch eher harmlos.

Dieses Speck ist nämlich das, was man sich in der Regel unter Fett vorstellt: Eine Art Depot, das ruhig vor sich hindämmert. Lästig vielleicht, mag sein, aber passiv und somit nicht sonderlich gefährlich.

Ebenso verhält es sich mit den dicken Oberschenkeln, den breiten Hüften oder dem kräftigen Hintern – bei all diesen Pölsterchen handelt es sich um mehr oder weniger „gutartiges“ Fett.

Es gibt sogar Studien, die zeigen: Wer im Alter hier und da über ein solches Fettpölsterchen verfügt, lebt länger. Eine kleine Speckschicht scheint wie eine Art Reserve für schlechte Zeiten zu sein: Wer nicht ganz so dünn ist, so die Vermutung der Mediziner, hat eine gewisse Energierücklage und kann damit Krankheiten besser wegstecken (Studie im US- Fachblatt „Jama“, Band 293, Seite 1861).

Aber wie gesagt: Es gibt Speck und Speck. Es gibt eben nicht nur die äußeren Speckfalten. Auch im Innern des Körpers, und zwar in der Bauchregion, kann sich nach und nach ein Fettpolster aufbauen. Dies nennt man das „innere Bauchfett“ – und wie man in den letzten Jahren entdeckt hat, ist diese Form des Fetts alles andere als harmlos: Das innere Bauchfett ist sogar hochgradig gesundheitsschädigend.

Erstens drückt die innere Masse auf die Organe, etwa die Leber und die Gedärme, quetscht sie ein und beeinträchtigt damit ihre Funktion.

Das weitaus Gefährlichere an dem inneren Bauchfett jedoch ist etwas anderes: Bei diesem inneren Fett handelt es sich nicht um ein passives Depot. „Im Gegenteil, das innere Bauchfett ist hochgradig stoffwechselaktiv“, sagt Andreas Pfeiffer von der Berliner Charité und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Wie ein Organ, sondert es ununterbrochen Substanzen aus, Hormone und Botenstoffe, die etwa das Immunsystem auf Trab bringen.

Die Folge dieser Immunaktivierung: Der Körper befindet sich in einer ständigen Abwehrreaktion. Das wiederum erhöht das Risiko diverser Erkrankungen, wie beispielsweise Diabetes und Arterienverkalkung.

Das innere Bauchfett beeinflusst darüber hinaus die Blutfette ungünstig: Das schlechte LDL-Cholesterin wird freigesetzt, das gute HDL-Cholesterin vermindert. All das lässt die Gefahr eines Herzinfarkts in die Höhe schnellen.

„Es kommt beim Übergewicht also auch darauf an, wo sich das Fett befindet“, sagt Pfeiffer. „Fett in der inneren Bauchregion ist viel gefährlicher als der Speck, der sich direkt unter der Haut befindet.“

Nur wie, wenn schon nicht an den äußeren Speckfalten, erkennt man das innere Bauchfett überhaupt?

„Typisch ist der Bierbauch“, sagt der Ernährungsforscher Matthias Blüher von der Universität Leipzig. Wobei es nicht unbedingt das Bier ist, das zum dicken, prall gefüllten Bauch führt, sondern das Zuviel an Kalorien. Blüher: „Man könnte genauso gut Coca-Cola-Bauch sagen.“

Trotzdem trifft der Bierbauch die Sache insofern, als weitaus mehr Männer als Frauen vom inneren Bauchfett betroffen sind. „Bis zu einem Alter von etwa 50 sind Frauen weitgehend geschützt“, sagt Pfeiffer. Nach den Wechseljahren jedoch steigt auch bei Frauen das Risiko stark an.

Direkt sehen kann man das innere Bauchfett zwar nur mit Hilfe einer Computer- oder Kernspintomographie. Das Ausmaß des verborgenen Fetts lässt sich aber ziemlich einfach abschätzen: am Bauchumfang. Dabei gilt folgende Faustregel: Wer als Mann auf eine Taille von mehr als 102 Zentimetern kommt, ist zu dick; eine Frau sollte nicht mehr als 88 Zentimeter messen.

Wer nun feststellen sollte, dass das Metermaß unverschämterweise zu viele Zentimeter angibt, für den gibt es auch eine gute Nachricht: Gerade das innere Bauchfett reagiert besonders sensibel aufs Abnehmen. Sobald wir auch nur etwas weniger Kalorien zu uns nehmen als wir verbrennen, geht der Körper zuerst ans innere Fett.

Auch was wir essen, spielt eine Rolle. Um das innere Bauchfett zum Schmelzen zu bringen, sollte man vor allem auf fettiges Essen verzichten. So hat eine Studie des Stoffwechselexperten Kerry Stewart von der Johns-Hopkins-Universität im amerikanischen Baltimore gezeigt: Insbesondere gesättigte Fettsäuren – etwa in Form von Butter und rotem, fettigem Fleisch – gehen direkt in die innere Bauchregion.

Der Berliner Experte Pfeiffer kann das nur unterstreichen: „Wir ernähren uns ohnehin zu fettig“, sagt er. „Um die 30 Prozent unserer Energiezufuhr sollte von Fetten kommen, bei uns aber sind es 40 Prozent.“

Regel Nummer eins für einen schlankeren Bauch lautet also: weniger Würstchen und Koteletts, dafür mehr Vollkornprodukte, Gemüse und Obst.

Regel Nummer zwei: mehr Bewegung. Die hilft zwar nicht so stark beim Abnehmen wie viele meinen. Wer etwa eine Stunde gemütlich geht oder eine halbe Stunde joggt, verbrennt nur knapp 300 Kalorien – das entspricht gerade mal einem Croissant.

Bewegung ist dennoch gesund, weil es unsere Muskeln und den Stoffwechsel aktiviert, und das tut uns gut, auch wenn man bis heute nicht genau weiß, wie und warum. „Was auch immer es ist“, sagt Pfeiffer, „schon ein wenig mehr Bewegung, 30 Minuten am Tag, und etwas weniger Gewicht, sind ein wahrer Segen für unsere Gesundheit“.

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