Berlin : Ran an den Speck

Zwölf Prozent der Erstklässler sind zu dick. Könnte „Ernährungskunde“ das ändern? Ein Pro & Contra

Sebastian Leber

Die Deutschen werden dicker – und die Dicken immer jünger. Deshalb hat die Bundesregierung im Rahmen ihres Programms „Fit statt fett“ an die Länder appelliert, Ernährungskunde in den Unterricht aufzunehmen. Eine sehr sinnvolle Forderung, sagt der Verein „Verbraucher Initiative“ mit Sitz in Berlin. Er hätte am liebsten ein eigenes Schulfach „Lebenskunde“, das den Schülern neben Kochen und gesunder Ernährung auch gleich den richtigen Umgang mit Geld beibringt. Das Fach solle durchgehend von der ersten Klasse bis zum Abschluss unterrichtet werden – „eine Stunde pro Woche würde schon einen großen Unterschied machen“, sagt Laura Groche von der Initiative.

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) lehnt das ab. Ernährung werde bereits in verschiedenen Fächern behandelt – es sei „kaum sinnvoll, für jedes wichtige Thema flächendeckend eigene Fächer einzurichten“. Auch die Fraktionen im Abgeordnetenhaus sind dagegen. Sascha Steuer von der CDU nennt die Forderung nach einem eigenen Schulfach unseriös: „Angesichts des gegebenen Unterrichtsausfalls kann es bestimmt nicht darum gehen, noch ein weiteres Fach einzurichten.“ Sprecher von Grünen und FDP wollen das Thema lieber verstärkt in Projektwochen oder Arbeitsgemeinschaften angehen.

Die „Verbraucher Initiative“ hält die „Abwehrreflexe der Politiker“ für einen „schweren Fehler“. Schließlich sind die Zahlen deutlich: Zwölf Prozent der Berliner Erstklässler sind übergewichtig, knapp die Hälfte davon gilt sogar als „fettleibig“. Und Kinder aus unteren sozialen Schichten haben im Vergleich zu wohlhabenderen Altersgenossen doppelt so häufig Gewichtsprobleme. So sind etwa Schüler aus Wedding, Neukölln und Kreuzberg bei der Einschulung eher übergewichtig als die in Zehlendorf, Prenzlauer Berg oder Köpenick.

Rufen Sie an zwischen 8 und 23 Uhr. Wenn Sie dafür sind: 0137-20 33 33 - 1. Sind Sie dagegen : 0137-20 33 33 - 2. (14 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

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