Berlin : Ran an die Wähler - bei der SPD laufen sie sich nun die Hacken ab

Brigitte Grunert

"Jeder Lichtblick gibt Mut und Zuversicht." Diesen Satz hört man seit gestern in der SPD wie auf Verabredung, und ein kleines bisschen munterer als noch am Freitag klingen die Stimmen auch. Der Sonntagabend machte es möglich. Nun heisst es, bei der Wahl in Bremerhaven und bei den Stichwahlen in Nordrhein-Westfalen um Bürgermeister sei die "Talfahrt gestoppt worden". Das ist jedenfalls besser als nichts für die Mobilisierungskampagne in Berlin. Es habe sich gezeigt, "dass die SPD gewinnen kann, wenn sie ihre Mitglieder für Gespräche mit den Bürgern mobilisiert", meint Spitzenkandidat Walter Momper. Er läuft sich schon seit Mai die Hacken ab.

In den letzten zwei Wochen vor der Berliner Wahl muss auch die Bundesprominenz früh aus den Federn - zur "Frühverteilung" von Flugblättern vor den U- und S-Bahnhöfen. Am Mittwoch will zum Beispiel Momper schon um sechs mit einem Bundesminister am U-Bahnhof Tegel stehen. Andere sind mit SPD-Senatoren und Fraktionschef Klaus Böger unterwegs.

Andererseits: Nach der jüngsten Forsa-Umfrage für die "Berliner Morgenpost" ist Momper mit einem Sympathiewert von 13 Prozent "ganz unten" (Diepgen: 58 Prozent). Danach liegen die CDU in der Wählergunst bei 42 Prozent, die SPD bei 20, die PDS bei 17, Bündnis90/Grüne bei elf Prozent. Das sei wegen der hohen Zahl der Unentschiedenen wenig aussagekräftig, heißt es in der Parteizentrale und im Wahlbüro Momper trotzig. "Und diese Sympathiewerte können Sie doch in die Tonne treten, sie haben mit dem Wahlverhalten herzlich wenig zu tun", meint Parteisprecher Frank Zimmermann: "Momper hatte nie hohe Sympathiewerte, die kriegt nur einer, der nirgends anecken will." Momper-Berater Michael Böhm sieht es ebenso: "Er steht für Tatkraft, er spricht klare Worte, er überzeugt im Dialog, da bekommt er auf der Straße Beifall, nicht rauschend, aber wohlwollend."

Nur hinter vorgehaltener Hand sagen Genossen, dass neben den Themen Rente und Arbeitslosigkeit auch der Spitzenkandidat eine Rolle spielt, der "nicht ankommt". Allerdings sei die Stimmung nicht aggressiv, heißt es übereinstimmend. Parteivize Klaus Uwe Benneter ist ganz hoffnungsvoll: "Am Freitag gingen meine kleinen Heftchen am U-Bahnhof Turmstraße gut weg." Er sei überzeugt, dass es in der Schlussphase aufwärts geht. Ein Kreuzberger ist dagegen freimütig vorsichtig: "Manchmal schimpfen die Leute zuerst, dann ist alles in Ordnung, wenn man ihnen erläutert, dass das Sparprogramm kein Selbstzweck, sondern sozial gerecht ist. Aber ob sie uns wählen. . ."

Die SPD will ihren Wählern sagen, dass sie sich "nicht beiseite schieben" lässt. Dafür winkt sie auch mit dem Zaunpfahl der "Regierungsfähigkeit der Stadt", weil ja ohne sie die CDU ohne Mehrheit dastünde. Darauf zielt das neue Plakat: "Für Berlin. Wir kämpfen!" Der Momper-Kopf wird damit überklebt. Der von Böger und Annette Fugmann-Heesing ist schon nicht mehr zu sehen.

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