Berlin : Rap an der Wursttheke

Vier Ex-Edeka-Azubis haben ein Musikstück produziert, das ganz anders ist als viele Firmensongs Es geht um „Aufschnitt vom Kasseler“ für „wenig Zaster“ – und das ist erstaunlich gut gelungen.

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Es geht um die Wurst. Mit diesen Worten beginnt ein Song von vier Nachwuchsmusikern, der überraschend lässig vom Leben als Wurstverkäufer erzählt. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Es geht um die Wurst. Mit diesen Worten beginnt ein Song von vier Nachwuchsmusikern, der überraschend lässig vom Leben als...

Es klingt erst einmal schrecklich: Ein „Wurst-Rap“ aus dem Hause Edeka Reichelt – möchte man so etwas hören? Und das Video dazu – möchte man das sehen? Man denkt an übereifrige Marketingabteilungen, die einem eher großmütterlichen Einkaufsparadies ein jugendliches Image verpassen wollen.

Das Musikvideo, das die vier Ex-Azubis Sami Simsek, Oliver Soltysiewicz, Peter Hartwig und Markus Joster am vergangenen Donnerstag im Kino „Toni & Tonino“ in Weißensee präsentierten und das seit dem Wochenende auf der Reichelt-Homepage online zu finden ist, ist dann aber vor allem eins: gut. Lässig rappt sich Sami Simsek da die Wursttheke entlang, mit unwiderstehlichem R-’n’-B-Schmelz singt Soltysiewicz den Refrain, während im Hintergrund die drei Kollegen eine kleine Choreografie aufführen.

Die Rap- und Tanzeinlagen von Joster und Hartwig wirken noch ein wenig hölzern – insgesamt tendiert der Peinlichkeitsfaktor allerdings stark gegen null. Das liegt auch daran, dass die Jungs ihr wenig raptaugliches Sujet unverdrossen und mit viel Witz mit der hip-hop-eigenen halsbrecherischen Reimkultur bearbeiten: Das „Entrecote“ macht den Kunden „froh“, den „Aufschnitt vom Kasseler“ gibt’s „für wenig Zaster“ und „voll auf Zack“ versprechen die Mitarbeiter „ständig frisches Rinderhack“. Dazu ein eingängiger Refrain: „Hier heißt es nicht ,Kieken oder koofen!‘, sondern ,Schönen Guten Tag‘. Ich werde Ihnen nur verkaufen, was ich selber essen mag.“

Dass die noch namenlose Theken-RapGang im heimischen Keller etwas produziert hat, das denkbar wenig mit sonstigen peinlichen Firmensongs zu tun hat, liegt auch daran, dass die Künstler, die hier im Kino genau wie im Video Reichelt-Uniformen mit lässigen Basecaps kombinieren, offensichtlich voll hinter ihrem Produkt stehen – sei es das Fleisch, das sie besingen, sei es der Rapsong, den sie produziert haben.

Die Idee zu dem Song sei ihnen im Jahr 2010 gekommen, erzählt Sami Simsek. Ebenso wie Oliver Soltysiewicz hat er in der Reichelt-Filiale an der Ruppiner Chaussee Einzelhandelskaufmann gelernt, schon länger machen die beiden gemeinsam Musik. Damals, im von Reichelt ausgerufenen „Jahr der Fleisch- und Bedienungstheke“, wollten sie sich mit dem Song an einem unternehmensinternen Ideenwettbewerb beteiligen. Die Fleischerlehrlinge Joster und Hartwig wurden für die Idee gewonnen – mit der Unterstützung eines Berliner TV-Senders ist nun das Video entstanden.

Ob die Rapper nun berühmt werden wollen? „Wenn was kommt, dann kommt was“, sagt Soltysiewicz. Einer, der von diesem Szenario nach eigener Aussage nicht so viel hält, ist Hans-Ulrich Schlender, Edeka-Geschäftsführer für Berlin und Brandenburg. Er sagt: „Ich wünsche ihnen Erfolg, aber nicht zu viel – sonst würden wir ja hervorragende Mitarbeiter verlieren.“ Johannes Schneider

Das Video auf der Webseite des Unternehmens: www.reichelt-berlin.de

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