Berlin : Rap me Amadeus! - unter der Bühne vom Theater des Westens zu nächtlicher Stunde

Matthias Oloew

Mozarts Werk? "Davon habe ich keine Ahnung", sagt er freimütig. Noten lesen ist auch nicht seine Stärke, und vom Leben des Komponisten-Genies wusste er bislang nicht mehr als der Film "Amadeus" in den 80ern preisgab. Jetzt ist Joachim Schweizzer schlauer. Drei Monate lang hat er Bücher über Mozart gelesen und vor allem seine Briefe. Daraus will er jetzt vorlesen. Nicht irgendwo, sondern unter den Brettern, die für den Schauspieler die Welt bedeuten: unter der Drehbühne im Theater des Westens.

Als ob das Ambiente an sich nicht schon eigenwillig genug wäre, haben die Haustechniker Doppelsitze montiert, die wie Hollywoodschaukeln von der Decke baumeln. Auf einem plüschigen roten Stuhl sitzt er, hinter ihm ist noch Platz für eine Handvoll Musiker, die mit Cello, Klarinette und Violine den Abend begleiten. Das Programm teilt sich in drei Blöcke. Schweizzer liest aus Mozarts Briefen, die sich schon im Tonfall unterscheiden. "Er schreibt an seinen Vater im Rapportstil, und an seine spätere Frau viel freier. Man meint, die Erleichterung zu spüren, mit der er seine Berichterstattungspflicht gegenüber seinem Vater hinter sich gebracht hat." Schweizzer ist beinahe verliebt in Mozarts Briefe: "Sie streicheln die Seele", sagt er.

Es ist kein Zufall, dass die Mozart-Briefe im Theater des Westens gelesen werden. Im September will Hausherr Elmar Ottenthal das Musical "Falco meets Amadeus" an der Kantstraße auf die Bühne bringen, und da sollen die spätabendlichen Lesungen in der schummrigen Atmosphäre das Publikum einstimmen und mit dem angestaubten Image Mozarts aufräumen. Folgerichtig schlüpft Joachim Schweizzer in antiquiert anmutende Roben und seine Perücke sitzt absichtlich schief. Und dann sind da noch zwei Faktoten - uralt -, die Wasser und Wein servieren, während Schweizzer liest oder rapt. Rapt? "Ich hatte den Eindruck, manche Textzeilen von Mozart bieten sich dafür an."Erstmals heute, 22.45 Uhr am Theater des Westens. Treffpunkt am Bühnenpförtner. Danach jeweils freitags und sonnabends jeweils zur gleichen Zeit, zunächst bis einschließlich 26. Februar. Karten zu 15 Mark an der Vorverkaufskasse oder telefonisch: (0180) 599 89 99.

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