Berlin : Raritäten fürs Pantoffelkino

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"Tom Tykwer? Kein Problem." Ohne langes Überlegen, steuert Silvio Neubauer auf das große Regal zu, in dem Videos von Woody Allan bis Fred Zinnemann aufgereiht sind. Fein säuberlich angeordnet wie in einem Archiv. Von den großen Regisseuren fehlt kein wichtiger Film. Das Regal ist das Kernstück von Neubauers "Filmgalerie 451", hier legt er Wert auf Perfektion. Und zu jedem Klassiker kann er einen kleinen Vortrag halten: Handlung, Schauspieler und Hintergründe.Die passende Kulisse für seinen Filmkunsttempel in der Torstraße liefert die Ausstattung der Räume. Statt Neonlicht-Tristesse anderer Videotheken strahlt die Galerie eine warme Atmosphäre aus. Von der Decke schauen die Stuckfiguren auf die Besucher herab. In dunklen Holzregalen findet der Cineast alles, was sein Herz höher schlagen lässt. Das Spektrum reicht von Drama, Liebe, Western über Musicals und Kultfilmen bis hin zu schrägen Filmproduktionen, die heute kaum noch jemand kennt. Bequeme Sessel laden zu einer Verschnaufpause während der Filmsuche ein. Die "Filmgalerie 451" hat über 10 000 Videos im Angebot.

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Vor 15 Jahren gründete Neubauer die Videothek zusammen mit zwei gleichgesinnten Filmenthusiasten in Stuttgart. Mittlerweile sind seine Mitstreiter Irene von Alberti und Frieder Schlaich erfolgreiche Regisseure.Für die "Filmgalerie 451" begannen sie, eigene Filme zu produzieren, die auf Festivals in der ganzen Welt gezeigt wurden und gründeten zudem ein Videolabel, das alte Klassiker neben Erstveröffentlichungen herausbringt. Der Erfolg stellte sich sofort ein: "Paul Bowles - Halbmond", die erste größere Produktion, lief in den amerikanischen Kinos und erhielt den Spielfilmpreis der deutschen Filmkritik. Derzeit kommt "Otomo", für den Schlaich Regie führte, in die New Yorker Programmkinos. Auf der Berlinale ist der Regisseur mit einem Kurzfilm in der "99 Euro"- Reihe vertreten.

Trotz der kleinen Erfolge mit den Eigenproduktionen sei es schwierig von einem Videoverleih abseits des Mainstreams zu leben, sagt Neubauer. Schon allein beim Namen der Filmgalerie sind vor allem die Insider gefragt: die Zahl 451 ist eine Reminiszenz an Truffauts "Fahrenheit 451". Um ein anspruchsvolles Publikum zufrieden zu stellen, muss Neubauer oftmals lange nach Raritäten auf Video suchen. Zur Berlinale kann Neubauer einmal mehr zeigen, dass die "Filmgalerie 451" die Wettbewerbs- Regisseure schon kannte, bevor sie im Rampenlicht standen. Mit einer Retrospektive würdigt er die Vorleistungen der Filmschaffenden. So kann sich jeder Patrice Chereaus "Intimacy", den Gewinner des Goldenen Bären 2001, wenigstens jetzt auf Video anschauen. Und wenn derzeit alle vom deutschen Film reden, kann Neubauer nur lächeln. Von Beginn an hat er den Schwerpunkt auf hiesige Produktionen gesetzt. Tom Tykwer kam schließlich vor seinem Erfolge auf "451 Video" heraus.

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