Berlin : Rasantes Wochenende

Heute gehen die Skater an den Start, morgen kommen die Marathon-Läufer. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Straßenlauf

André Görke

Niemand will stundenlang im Nieselregen stehen, deshalb jauchzen eine Million Menschen schon vor Glückseligkeit: „Oh, wie schön!“ Die anderen – es sind exakt 47 755 Sportler – stöhnen dagegen angesichts der Wetteraussichten: Bis zu 26 Grad sollen es am Sonntag werden. Da wird der Marathon noch einmal gefühlte zehn Kilometer länger, gute Stimmung und lautstarke Unterstützung an der Strecke sind also gefordert. Eine kleine Übersicht zum großen Marathon-Wochenende in Berlin.

Wie viele sie sind: Von wegen immer nur „RekordeRekordeRekorde“! In diesem Jahr sind 47 755 Leute unterwegs, das sind 400 weniger als vor einem Jahr. Um die Gesamtzahl einmal sauber zu sezieren: Neben den knapp 40 000 Läufern sind 35 Rollstuhlfahrer und 152 Handbiker unterwegs; den Auftakt machen aber die fast 8000 Skater schon am Samstagnachmittag. Eine gewaltige Menschenmasse ist also auf den Straßen unterwegs, der größte Marathon findet jedoch in New York statt, gefolgt von London, Chicago – und Berlin.

Wo sie herkommen: Aus 105 Nationen. Die meisten Ausländer stellt Dänemark mit gut 3000 Startern, aus den USA (10. Platz) reisen immerhin 472 Sportler an. Und sogar von den Falklandinseln sind fünf in der Stadt, aus Kuba zwei und aus Afghanistan einer. Die meisten kommen allerdings aus – welch Überraschung – Deutschland und davon etwas mehr als 6000 aus Berlin, gefolgt von Hamburg und London. Auffällig stark: Das schicke Kleinmachnow schickt 75 Starter über die Landesgrenze in die Großstadt.

Was sie verdrücken: Beliebt sind Bananen, von denen 130 000 Stück an der Strecke herumliegen, plus 28 000 Äpfel. Eine Million Trinkbecher stehen mit Wasser bereit, 80 000 Kekse warten im Ziel. Und damit ja keiner den Überblick verliert, sind fast 6000 Helfer am Start (übrigens mit 250 Litern Massageöl). Was vom Essen nicht gebraucht wird, geht später an die Berliner Tafel.

Wie sie heißen: Akute Verwechslungsgefahr besteht bei „Saaabineee!“ – denn die rennt 144-mal mit. Das ist viel? Nun, es starten auch 898 Michaels und 882 Herren, die Thomas heißen. Wer „Müller!“ brüllt, dürfte 220 Reaktion erhalten.

Wie alt sie sind: Der Älteste kommt aus Frankreich, heißt Gilbert Lions und ist Jahrgang 1921. Egon Bethke ist zwei Jahre jünger, kommt aber aus Berlin. Die älteste Frau – Ruth Helfenstein – kommt aus der Region Freiburg und ist 1931 geboren. Und die am stärksten vertretene Altersklasse? Es sind die 40- bis 49-Jährigen.

Wie sie anfingen: Ziemlich piefig in Eichkamp. Am Mommsenstadion rannten am 13. Oktober 1974 erstmals die Läufer los, kümmerliche 286 hatten sich damals gemeldet, die parallel zur Avus joggten. Sieben Jahre später ging es zum Ku’damm und am 30. September 1990 erstmals durch das Brandenburger Tor.

Wo man sie sehen kann: Der Lauf wird am Sonntag live im Fernsehen übertragen, und zwar ab 8.30 Uhr in der ARD – dann gehen die Rollstuhlfahrer an den Start und kurz danach die Handbiker. Wenn die Spitzensportler angekommen sind, übernimmt quasi das Familienprogramm („Lauf Papa, lauf!“). Ab 11.30 Uhr sendet der RBB. Die Bilder gehen raus bis Japan, deshalb jagt das Erste den halben Fuhrpark los: 40 Kameras sind an den Straßen postiert, sechs Motorräder (ebenfalls mit Kameras) rollen den Läufern hinterher, fünf Hubschrauber schweben in 200 Metern Höhe am Himmel – und 4800 Meter darüber kreist das ARD-Flächenflugzeug. Das was bitte? Ein Flächenflugzeug ist so eine Art fliegende Verbindungsstation zum Sender.

Wo man sie anfeuert: Überall (außer vielleicht hinter der Ziellinie). An der Strecke tänzeln und singen 600 Musiker, vor allem Jazz und Samba wird gespielt. Traditionell gute Stimmungsorte: Wilder Eber, Olivaer Platz, Wittenbergplatz und Schloßbrücke. Rennchef Mark Milde sagt: „Wir werden wie bei der WM eine Fanmeile haben – nur ist sie diesmal 42,195 Kilometer lang.“

Wer die Ersten im Ziel sind: Nein, nicht die Superstars, sondern fast 10 000 Kinder. Die starten nämlich am Sonntag beim „Mini-Marathon“, der die letzten 4,2195 Kilometer der Originalstrecke benutzt. Einzelsieger gibt es nicht, denn die Kinder starten als Team – zehn Läufer sind eine Einheit. Kurz vor 9 Uhr geht es am Leipziger Platz los. Die Kinder rennen am Schloßplatz vorbei, entlang der Straße Unter den Linden und treffen gegen 9.07 Uhr im Ziel ein.

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