Berlin : Rasende Brummis: Lastwagen lassen Weststaaken erbeben

Rainer W. During

Zu DDR-Zeiten wurde der Nennhauser Damm durch den Todesstreifen getrennt. Seit dem Mauerfall und der Rückgemeindung Weststaakens nach Spandau ist der einstmals beschauliche Abschnitt zwischen Brunsbütteler Damm und Heerstraße zu einer Rennstrecke für Lastwagen geworden. Sehr zum Ärger der zugezogenen Familien, die sich von den hier zahlreich entstandenen Ein- und Mehrfamilienhäusern ein ruhiges Leben am grünen Stadtrand versprachen. Sie haben sich nun in einer Bürgerinitiative organisiert und fordern die Verkehrsberuhigung.

Als Verbindung zwischen dem Brunsbütteler Damm und der Bundesstraße 5 verspricht der Nennhauser Damm eine schnelle Abkürzung. Dabei macht den Anliegern insbesondere der zunehmende Schwerlastverkehr zu schaffen, berichtete der Sprecher der Bürgerinitiative, Thomas Tietz, jetzt vor dem bezirklichen Bau- und Verkehrsausschuss. Zählungen ergaben bis zu 970 Autos und Lkw pro Stunde, geschätzt werden 10 000 bis 15 000 Fahrzeuge pro Tag.

Etwa zwei Drittel der Brummis benutzen statt der Heerstraße den Nennhauser Damm, so die Initiative. An einem Frühjahrstag zwischen 12 und 13 Uhr wurden 270 Busse und Lastwagen gezählt. Durch den Ausbau der Autobahnabfahrt vom Berliner Ring und der Ende 2001 geplanten Eröffnung des Einkaufszentrums Spandau-Arcaden am Brunsbütteler Damm befürchtet man eine weitere Zunahme. Statt den Lkw-Verkehr zu beschränken, wurden die Ampelphasen an der Heerstraße verlängert. Konnten früher nur drei bis vier Fahrzeuge in den Nennhauser Damm abbiegen, sind es heute bis zu 17 Fahrzeuge, sagt Thomas Tietz. Die Fahrbahn ist kaum noch gefahrlos zu überqueren. Aufgrund des schlechten Straßenzustandes sind Erschütterungen und Lärm selbst noch in 80 Meter entfernten Wohnungen zu spüren.

Entlastung könnte erst die geplante Anbindung des verlängerten Brunsbütteler Dammes an die Landstraße 20 auf Dallgower Gebiet bringen. Doch der Termin dafür ist noch völlig offen, und darauf wollen die Anwohner nicht warten. So fordern sie unter anderem eine kürzere Ampelphase, eine Tempo-30-Zone, einen Fußgängerüberweg und eine zumindest nächtliche Sperrung für den Schwerlastverkehr.

Ab 2002 soll indessen erst einmal die Fahrbahn erneuert werden, teilte das Tiefbauamt mit. Damit sollen Lärm und Erschütterungen reduziert werden. Weil dem Bezirk das Geld fehlt, kommen 80 Prozent der benötigten Mittel ausgerechnet aus einem EU-Programm zur Sanierung von Industriestraßen. Das signalisiert den Anwohnern wenig Hoffnung auf eine Reduzierung des Lkw-Aufkommens. Während Tietz an die Bezirkspolitiker appellierte, die Lebensqualität der Leute zu verbessern, "die sich entschlossen haben, nicht aus der Stadt herauszuziehen", wollen die Ausschussmitglieder sich erst einmal in ihren Fraktionen eine Meinung zu dem Thema bilden.

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