Berlin : Rasenpause: Der Tiergarten soll teilweise eingezäunt werden

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Silvesterfeiern, Love Parade und Grillabende sind für den Großen Tiergarten nicht ohne Folgen geblieben. Wegen der Schäden an der Vegetation will Mittes Baustadtrat Dirk Lamprecht (CDU) nun Teile des 203 Hektar großen Parks mit einem Zaun abriegeln. "Die Natur braucht eine Erholungspause", sagte Lamprecht. "Wenn wir nicht bald handeln, haben wir eine Steppe ohne Unterholz". Denkbar sei die zeitweilige Sperrung einzelner Parkabschnitte für jeweils ein halbes Jahr.

Mittes Grünflächenamt und die Denkmalschutzbehörde sind der Auffassung, dass der Park inzwischen nachhaltig geschädigt ist. Nach dem Krieg habe er sich fast 50 Jahre ungestört entfalten können, heißt es. Seit Beginn der Love Paraden sei damit Schluss. Wo früher dichtes Gehölz gewesen sei, sehe man heute teilweise nur noch kahle Stellen. Gebüsch-Stümpfe zeugten von den Zerstörungen. Während der Love Parade im Sommer und bei Silvesterfeiern würden Grünflächen plattgetrampelt, mit Müll bedeckt, sickerten Tausende Liter Urin ins Erdreich. Auf Liegewiesen müssten Gartenarbeiter regelmäßig Glassplitter einsammeln.

Allein durch die Love Parade 2000 sind nach Schätzungen des Bezirksamt Schäden in Höhe von rund 390 000 Mark am Großen Tiergarten entstanden. Veranstaltungen wie die Love Parade seien "streng genommen nicht mehr zu verantworten", sagte damals Lamprechts Vorgänger, der Ex-Baustadtrat von Tiergarten Horst Porath (SPD). Er warnte davor, dass es in dem Park bald weder Büsche noch Rasen geben werde, wenn die Love Parade keine andere Route nehme.

Der Große Tiergarten ist die größte Grünanlage der Stadt. Er wurde von den Landesherren einst für die Jagd genutzt. Friedrich II. ließ ihn als erste Parkanlage Berlins herrichten. Peter Joseph Lenné schuf 1833 bis 1640 ein geordnetes Wegenetz, Lichtungen, Rasenflächen und Wasserläufe. In den Kriegsjahren wurde der Tiergarten fast abgeholzt. 1949 bis 1959 legte das Tiergartener Grünflächenamt den Park neu an.

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