Berlin : Rastelli, Grock & Co: Geburtstag mit "Sternen des Varietés"

hema

Der Wintergarten feiert in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag. Als Hommage an den berühmten Vorgänger in der Friedrichstraße wurde das Varietè in der Potsdamer Straße am 25. September 1992 eröffnet und nahm schnell einen festen Platz in der Kulturszene der Stadt ein. Gefeiert werden soll deshalb nicht nur am Jubiläums-Tag selbst, sondern das ganze Jahr über, wie Roncalli-Chef Bernhard Paul - Mitbegründer und Künstlerischer Leiter des Varietés mitteilte. Dort erstrahlen allabendlich 4564 Sterne am nachtblauen Theaterhimmel - ab diesem Monat beleuchten sie "Sterne des Varietés". So heißt die 45. Wintergarten-Produktion, die am 15. Februar in der Regie Bernhard Pauls Premiere hat - das erste von insgesamt vier Jubiläums-Programmen.

Unter dem Titel "Sterne des Varietés" soll an vier berühmte Künstler des alten Wintergartens an der Friedrichstraße erinnert werden: An den König der Jongleure, Enrico Rastelli, an den Couplet-Sänger Otto Reutter, an zwei berühmte Clowns - Charlie Rivel, der mit seinem "Akrobat schööön" ebenso Liebling der Berliner war wie sein Berufskollege Grock mit "nit möööglich!".

Enrico Rastelli (1896-1931) - so hieß die Jongleurlegende aus einer italienischen Artisten-Dynastie tatsächlich - ist am 15. Februar die erste Jubiläumsrunde der "Sterne des Varietés" gewidmet. In den 20er Jahren machte der Artist nicht nur mit seinen tanzenden Fußbällen Furore - von der Ferse über den Rücken rollte er sich das Leder bis in den Nacken - sondern auch mit seinem modernen Kostüm. Statt im üblichen Jongleur-Habit mit Frack und Zylinder trat Rastelli in Seidentrikot und Kniehose auf.

In der Potsdamer Straße kann man Rastelli nochmals sehen - auf historischen Filmaufnahmen. Vor diesem Hintergrund zeigt am 15. Februar ein Jongleur-Star der Gegenwart seine Kunst - Anthony Gatto, der bereits mit Rastelli verglichen wird. Der hielt beruflich mit sieben Bällen, Keulen und Tellern immer alles im Griff - nur sein eigenes Leben nicht. Der Erfolg hatte seinen Preis. Bis zu 14 Stunden täglich übte der an Blutarmut leidende Jongleur - mit 35 Jahren starb das "zart-tierische Genie vor einem arbeitsstrengen Leben" - so dichtete Ringelnatz über diesen "Stern des Varietés".

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