• Rasten Polizisten mit Tempo 100 durch City? Der Unfallfahrer, der den 78-jährigen Passanten überfuhr,

Berlin : Rasten Polizisten mit Tempo 100 durch City? Der Unfallfahrer, der den 78-jährigen Passanten überfuhr,

hatte ein Sicherheitstraining absolviert

Werner Schmidt

War Raserei Schuld an dem tödlichen Unfall mit dem Funkwagen? Die Beamten sollen mehr als 100 km/h auf dem Tacho gehabt haben, als sie Sonntag früh auf der Frankfurter Allee unterwegs waren – und in Höhe Kinzigstraße einen 78-jährigen Passanten totfuhren. Das verlautete aus Kreisen der Polizeigewerkschaft. Offiziell wollte die Polizei diese Angabe gestern nicht bestätigen. Sie will abwarten, bis der Datenspeicher des Wagens ausgewertet ist.

Der 27-jährige Fahrer des Funkwagens hatte ein Sicherheitstraining absolviert, sagte ein Polizeisprecher. Dies habe er nach Beendigung seiner Polizei-Ausbildung gemacht. Das Sicherheitstraining gibt es seit 1996. Angeblich werden jährlich rund 1800 Beamte geschult. Wilfried Püschel vom Gesamtpersonalrat der Polizei (GPR) bemängelte, dass das Sicherheitstraining für Streifenbeamte nicht wiederholt werde. Andererseits „hilft kein Sicherheitstraining, wenn der Fuß auf dem Gaspedal steht“, rügte Püschel.

Wie berichtet, war der Funkwagen zur Rigaer Straße unterwegs. Ein Anwohner hatte über den Notruf 110 gemeldet, ein Mann verprügele seine Frau. Die Funkbetriebszentrale, bei der die Notrufe eingehen, hatte der Streifenwagenbesatzung daraufhin einen so genannten Eilauftrag erteilt, was bedeutet, dass sie mit Blaulicht und Martinshorn fahren dürfen. Die Regeln der Straßenverkehrsordnung gelten dann für die Funkwagenbesatzung nicht. Allerdings dürfen Sonderrechte „nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden“, heißt es in Paragraf 35, Absatz 8 der Straßenverkehrsordnung.

Besonders nachts ist es vor allem in Wohnstraßen üblich, dass sowohl Polizei als auch Feuerwehr bei Einsatzfahrten häufig nur das Blaulicht einschalten, um mit der Sirene die Anwohner nicht aus dem Schlaf zu jagen. Ob die Streifenwagenbesatzung eventuell auch nur mit Blaulicht unterwegs war und der Passant den Wagen deshalb nicht bemerkte, ist unbekannt. Es ist aber auf dem Unfalldatenspeicher des Fahrzeugs registriert. Das Gerät soll von einem privaten, unabhängigen Ingenieurbüro ausgewertet werden, das auch die Unfallursache ermitteln wird.

Mit Unfalldatenspeichern wurden alle Streifenwagen ausgerüstet, nachdem im Frühjahr 1993 auf der Schloßbrücke in Mitte zwei Kinder durch einen Streifenwagen getötet und fünf Menschen verletzt worden waren. Auch das Fahrzeug war mit Blaulicht und Horn unterwegs. Das Gericht stellte später fest, dass der Fahrer mit 80 km/h deutlich zu schnell gefahren war und verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten. Im Mai 1995 wurde eine 16-Jährige in Hellersdorf-Mahlsdorf von einem Funkwagen aus Brandenburg getötet. Und im Mai dieses Jahres raste ein 24-jähriger Autofahrer nach einer Verfolgungsjagd durch die Innenstadt frontal gegen einen Funkwagen. Dabei starb der Beifahrer des 24-Jährigen.

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