Ratzinger wird 80 : Der "Mozart unter den Theologen"

Mit einem Festgottesdienst in der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale haben mehrere hundert Gläubige und Gäste den 80. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. gefeiert.

Berlin - An dem Gottesdienst nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die Botschafter aus Belgien, Österreich, Guatemala, Mazedonien, Peru, den Philippinen und Togo teil. Das Pontifikalamt zelebrierte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Papst Benedikt XVI., der an diesem Montag 80 Jahre alt wird, sei der "Mozart unter den Theologen", sagte Meisner in seiner Predigt in der überfüllten Kathedrale am Bebelplatz in Berlin-Mitte. Seine Theologie sei nicht nur wahr und gut, sondern auch schön. "Seine Worte klingen den Menschen wie Musik in den Ohren und Herzen", fügte er hinzu. Deshalb würden die Pilgerströme zu seinen Audienzen von Monat zu Monat größer.

"Humanität allein reicht nicht" Die Kirche sei nicht für sich selbst da, sondern für die Menschen, sagte der Kardinal. "Menschlichkeit ohne Göttlichkeit verkommt zur Unmenschlichkeit. Humanität allein reicht nicht!", zitierte er den österreichischen Schriftsteller Franz Grillparzer. Papst Benedikt XVI. habe die "Diktatur des Relativismus" in den westlichen Gesellschaften als deren Grundübel bezeichnet. Meisner sagte, letztlich basiere auch der Terrorismus auf der "Selbstautorisierung des Menschen." Es gebe keine unveräußerlichen Wahrheiten und Werte mehr, kritisierte Meisner. "Alles ist gleich- gültig, was die Menschen dann gegenüber der Frage nach Gut und Böse schließlich gleichgültig macht." Der Erzbischof sagte weiter: "Der Mensch kann Menschen klonen - also tut er es. Der Mensch kann Atombomben bauen - also tut er es." Und prinzipiell sei er auch bereit, sie einzusetzen.

Zu der Messe hatten der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender, und der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky eingeladen. Bei dem Gottesdienst wurde auch die Messe "Tu es Petrus" des Kirchenmusikers und Komponisten Wolfgang Seifen uraufgeführt. Das Werk ist dem Papst gewidmet und wurde vom Chor und Orchester der Berliner Humboldt-Universität präsentiert. Die Hauptfeierlichkeiten zum Papst-Geburtstag fanden am Sonntag in Rom statt. Bei strahlender Sonne waren auch zahlreiche Pilger aus der bayerischen Heimat des Kirchenführers zu der Zeremonie gekommen. In einer ungewöhnlich persönlich gehaltenen Predigt verwies der deutsche Papst dabei auf die Stationen seines Lebens. (tso/dpa)

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