Ratzmann und die A 100 : Ströbele: "Das hat die Verhandlungen erschwert"

Hans-Christian Ströbele kritisiert im Interview mit Tagesspiegel Online, dass Volker Ratzmann den Weiterbau der A 100 kurz vor der Wahl noch einmal kategorisch ausgeschlossen hat. "Das war nicht nötig."

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Hans-Christian Ströbele sieht auch bei den Grünen Fehler bei den rot-grünen Verhandlungen.
Hans-Christian Ströbele sieht auch bei den Grünen Fehler bei den rot-grünen Verhandlungen.Foto: dpa

Herr Ströbele, ist das Verhältnis zwischen SPD und Grünen nach dem Aus für Rot-Grün in Berlin nun dauerhaft beschädigt?

Ströbele: Geschädigt wäre übertrieben, aber für ein rot-grünes Projekt im Bund ist das nicht förderlich. Denn wir hatten uns für einen solchen Regierungswechsel Rückenwind von einer rot-grünen Landesregierung in Berlin erwartet. Den scheint es nun nicht zu geben. Das ist bedauerlich.

War es ein Fehler von Volker Ratzmann, den Bau der A 100 kurz vor der Wahl noch einmal so kategorisch auszuschließen?

Jedenfalls führte das leider dazu, dass Klaus Wowereit sein Ja zur A 100 öffentlich festgekloppt hat. In der Sache hatte ich keinen Dissens. Auch ich habe gegen die A 100 demonstriert und bin heftig gegen deren Bau. Aber Wowereit nochmal zum Schwur zu veranlassen, war nicht nötig. Das hat die Verhandlungen am Ende erschwert. Wowereit nutzt das, um sein Vorhaben Rot-Schwarz zu realisieren.

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Muss Volker Ratzmann nun persönliche Konsequenzen aus dem Fall ziehen?

Nein, wir haben den Wahlkampf gemeinsam geführt, und da hat nicht einer oder eine allein etwas falsch gemacht.

Aber was müssen die Grünen daraus lernen?

Auch uns Grünen ist klar, dass manchmal Zurückhaltung angesagt ist, selbst öffentlich etwas auszuschließen, wenn die Gegenseite das dann auch tut. Das heißt ja nicht, seinen Standpunkt in Frage zu stellen, aber man sollte beiden Seiten Spielräume lassen.

Hat den Grünen im Wahlkampf am Ende auch die Lockerheit gefehlt - etwa bei der Frage nach Koalitionen?

Ein wenig schon. Wir haben uns unnötig in eine Debatte um Grün-Schwarz drängen lassen. Das war nicht notwendig. Es hat zu erheblichen Unsicherheiten bei unseren Wählern beigetragen. Unser Wahlziel, stärkste Kraft zu werden, war klar. Im Wahlkampf reden wir über unsere Inhalte, aber über Koalitionen danach.

Das Gespräch führte Christian Tretbar.

 

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