Berlin : Rau zieht es nach Pankow

Schloss Bellevue muss renoviert werden - deshalb wird der Bundespräsident vorübergehend in sein Wunschpalais umziehen: Das Barockschloss Schönhausen

Holger Wild

Zuletzt tagte hier nach dem Mauerfall der Runde Tisch. Dann aber verfiel Schloss Schönhausen in Dornröschenschlaf. Nun soll das denkmalgeschützte Barockpalais endlich wieder genutzt werden: als Residenz des Bundespräsidenten. Voraussichtlich im Frühjahr 2004 soll der höchste Repräsentant Deutschlands in das Schloss im Pankower Ortsteil Niederschönhausen ziehen, denn sein eigentlicher Amtssitz Schloss Bellevue muss gründlich renoviert werden.

Am Montag besichtigten die für den Etat des Bundespräsidenten zuständigen Haushaltspolitiker von SPD, CDU und Bündnisgrünen Schloss Schönhausen und erklärten hernach, sie würden den präsidialen Wunsch unterstützen, dorthin auszuweichen. Im Vergleich mit dem Schloss Charlottenburg und der als Gästehaus des Außenministerium genutzten Villa Borsig sei es „die beste Alternative“, hieß es. Da Bundespräsident Johannes Rau selbst für Schönhausen eintritt, und die Vertreter der Fraktionen im Haushaltsausschuss in der Regel den Empfehlungen ihrer zuständigen Kollegen folgen, ist der Umzug nach Pankow fast sicher – auch wenn die Entscheidung noch nicht endgültig getroffen ist. Innen bietet das Schloss repräsentative Räume, die auch größere Staatsbesuche und Essen für bis zu 120 Personen ermöglichen. Außen aber bietet die Fassade ein unerfreuliches Bild. Bis zu 1,2 Millionen Euro dürften für ihre Sanierung erforderlich sein – Mittel, die der Haushaltsausschuss freigeben muss. Die Haushälter schlagen vor, nach der Zwischennutzung durch den Bundespräsidenten das Pankower Schloss als Gästehaus der Bundesregierung auszubauen und so weiter zu nutzen.

Doch eine längerfristige Nutzung für Staatsgäste könnte auch Unmut hervorrufen: Denn bislang ist der von Peter Joseph Lenné gestaltete Schlosspark öffentlich zugänglich. Aber damit dürfte es während der auf rund anderthalb Jahre geschätzten Nutzung durch den Bundespräsidenten aus Sicherheitsgründen vorbei sein. Ob Spaziergänge im Park in der Nachbarschaft eines Gästehauses möglich sind, ist fraglich.

Andererseits würde mit dem Einzug des Präsidenten der Leerstand endlich beendet. Seit Jahren wechselten sich Nutzungskonzepte ab, ohne dass es einen überzeugenden – und finanziell realisierbaren – Vorschlag gegeben hätte. Und das Schloss als Residenz des Präsidenten hat auch ein gewisse Tradition: Es war von 1949–1960 Amtssitz des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck. Ob aber Johannes Rau hier noch Empfänge geben wird, ist offen: Am 23. Mai 2004 wählt die Bundesversammlung den Präsidenten. Vermutlich hat die Opposition im Bundestag dann dort die Mehrheit.

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