Berlin : Raubüberfälle: Bande kam mit Totschlägern

Peter Murakami

Neun jugendliche Männer sitzen seit gestern wegen schweren Raubes auf der Anklagebank. Zwischen dem 10. Oktober 1998 und dem 25. Februar dieses Jahres sollen sie in wechselnder Beteiligung zahlreiche Gaststätten und Supermärkte überfallen haben. Bei den Taten in verschiedenen Bezirken wurden die Angestellten und Gäste mit Gasrevolvern, Totschlägern und Messern bedroht und zur Herausgabe von Bargeld und Wertgegenständen genötigt. Meist misshandelten die Täter ihre wehrlosen Opfer auch noch mit Fußtritten, Elektroschockern oder Messern, obwohl die Übefallenen keine Gegenwehr leisteten.

Die Staatsanwaltschaft legt den überwiegend unreif wirkenden Angeklagten, einem in Berlin geborenen 21-jährigen Libanesen und acht Männern türkischer Herkunft zwischen 19 und 21 Jahren, insgesamt 17 Raubüberfälle zur Last. So sollen laut Anklage fünf der Männer am 28. November 1998 gegen 20.45 Uhr mit Sturmhauben maskiert in eine Steglitzer Gaststätte eingedrungen sein. Im Verlauf des Überfalls musste sich die Wirtin hinter der Theke auf den Boden legen. Einer der Täter nutzte die Gelegenheit, um der Frau ihre goldene Halskette vom Has zu reissen.

Später hielt ihr einer der jungen Männer ein Messer an die Kehle und zwang sie, eine Geldkassette zu öffen und den Inhalt auszuhändigen. Nachdem die Bande zwischen Oktober und November 1998 mehrere Gaststätten in Steglitz und Tempelhof überfallen hatte, sollen einige Mitglieder auf eine neue kriminelle Methode verfallen sein. Die Anklage wirft ihnen vor, eine Zeitungsanzeige aufgegeben zu haben, um ein Opfer mit Geld zu finden. Sie gaben vor, einen Porsche günstig für rund 20 000 DM verkaufen zu wollen. Ein potentieller Käufer wurde zu einem Treffpunkt gelockt und dann brutal ausgeraubt.

Beim Überfall auf einen Extra-Verbrauchermarkt in Neukölln am 29. Oktober des vergangenen Jahres sollen sie den 31-jährigen Filialleiter Ari V. ohne erkennbaren Anlass mit einem Stich in den Bauch so schwer verletzt haben, dass der Familienvater wochenlang im Koma lag.

Der 17. Überfall wurde der Bande schließlich zum Verhängnis. Die Polizei, die mittlerweile einen Anfangsverdacht gegen einzelne Mitglieder hegte, gelangte durch eine Telefonüberwachung an Informationen über einen bevorstehenden Überfall auf einen Verbrauchermarkt in Treptow. Als drei der Angeklagten am 25. Februar dieses Jahres durch den zur Hofseite des Verbrauchermarktes gelegenen Ausgang in das Geschäft eindrangen, hatte die Polizei den Geschäftsführer bereits durch einen Beamten ersetzt und wartete.

Als die drei Räuber den vermeintlichen Geschäftsführer in ihre Gewalt bringen wollten, wurden sie durch ein bereitstehendes Sondereinsatzkommando überwältigt. Sie wurden verhaftet.

Nach dem Verlesen der Anklage beschloss die Kammer gestern für den Rest des Verfahrens aus "pädagogischen Gründen" den Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

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