Berlin : Raubüberfall auf BVG-Busfahrer

Täter bedrohten ihr Opfer mit Waffen. Sie erbeuteten 14,40 Euro Wechselgeld

Tanja Buntrock

Die beiden Männer zogen sich ihre Motorradmasken über, dann ging es blitzschnell: Sie hielten Andreas M., Busfahrer der Linie 122 in Reinickendorf, eine Pistole an den Kopf, ein Messer an den Bauch und verlangten sein Wechselgeld. Andreas M. gab ihnen den Behälter mit dem Kleingeld: 14,40 Euro. Die Räuber flüchteten.

Der BVG-Busfahrer hatte am Montagabend wie so häufig Spätschicht und fuhr gegen 0.10 Uhr die Endhaltestelle Otisstraße an. Als er seine nächste Tour beginnen wollte, stiegen die beiden Männer ein und bedrohten ihn. Weitere Passagiere waren zu diesem Zeitpunkt nicht im Bus.

Andreas M., 47, ist seit fast 25 Jahren bei der BVG beschäftigt. Was er in jener Nacht erlebte, hat Spuren hinterlassen. Das berichtet seine Ehefrau. „Er konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Heute ist er zum Arzt gegangen und auch zur Psychologin bei der BVG“, sagt sie. „Da glaubt man doch, man ist im Film. Und das Ganze wegen der paar Euro. Wir sind völlig geschockt.“

Auch BVG-Sprecherin Petra Reetz ist erschüttert. „Das ist der erste Raubüberfall in der Geschichte der Berliner Verkehrsbetriebe“, sagt sie. Mit Übergriffen auf Mitarbeiter müsse das Unternehmen aufgrund der „gesteigerten Aggressivität in der Stadt“ ständig rechnen. 150 Übergriffe auf BVG-Mitarbeiter gab es in diesem Jahr bereits: Von Anspucken bis zum Verprügeln mit Bierflaschen war alles dabei. „Doch so eine Raubtat hat noch mal eine ganz neue Qualität“, sagt Reetz. Die Beute sei nur gering. „Doch der viel größere Schaden entsteht dem Unternehmen durch die traumatisierten Busfahrer, die natürlich psychologisch betreut werden nach einer solchen Tat.“ Die Aggressionen, die sich bei einigen Menschen anstauten, müssten die Busfahrer als Mitarbeiter eines Dienstleistungsunternehmens „quasi ausbaden“. Die BVG überlege nun, wie sie ihre Busfahrer besser schützen könne. Eine Plexiglasscheibe am Fahrersitz zum Schutz gegen Übergriffe, „nützt bei einem Überfall mit Waffen auch nichts“, sagt Reetz. Im vergangenen Jahr hatte die BVG ein Pilotprojekt gestartet und einige Busse mit diesen Plexiglasscheiben ausgerüstet.

Außerdem sind in 140 der insgesamt 1400 Busse Videokameras installiert. Doch solche Kameras seien statisch und erfassten nicht jeden Winkel. Nach Polizeiangaben war im Bus von Andreas M. keine Kamera installiert. Auch sonst seien keine Spuren vorhanden. „Die Täter waren wohl auf eine Kamera vorbereitet und haben sich gut vermummt“, sagt Reetz.

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