Berlin : Raubzug

Andrea Dernbach

Der Süden, heiß wie die Hölle, lebenslange Liebe und eine große Familie: Es gibt Plots, die scheinen wie geschaffen für einen Literaturpreis. Manchmal beschleicht einen beim Lesen das Gefühl, genau zu diesem Zweck seien sie geschaffen.

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Laurent Gaudé hat sich für „Die Sonne der Scorta“ auf diesen süffigen Mix verlassen. 1875 kehrt Luciano Mascalzone nach 15 Jahren Gefängnis in sein apulisches Dorf zurück, schwängert die Schwester seiner großen Liebe und wird für diesen Frevel gesteinigt. Rocco Mascalzone, den er bei jenem letzten Akt gezeugt hat, übertrifft den Vater noch als Räuber und Vergewaltiger und stürzt seine drei Kinder ins Elend. Aber im Laufe der Jahrzehnte arbeiten sie sich hoch, als Fischer, Ölbauern und Tabakhändler. Für „Die Sonne der Scorta“ hat Gaudé den Prix Goncourt bekommen. Und wir wissen jetzt: Auch in Frankreich gibt es eine Toskana-Fraktion, die ihren Wein unbedingt trocken mag und ihre Bücher sonnengetrocknet.

Laurent Gaudé: Die Sonne der Scorta. Roman. Aus dem Französ. von Angela Wagner. dtv, München. 254 S., 14,50 €.

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