Berlin : „Rauchen verkürzt die Wartezeit“

DasVerbot in U-Bahnhöfen lässt viele Qualmer kalt

NAME

Hüseyin kann es einfach nicht lassen. Er steht am Bahnsteig der U-Bahnlinie 8 am Kottbusser Tor und wartet auf den nächsten Zug in Richtung Wittenau, in der rechten Hand glimmt die Kippe. „Es wartet sich einfach besser mit Zigarette“, sagt der 30-Jährige. Dabei sind die Hinweise auf das seit 1978 bestehende Rauchverbot in den 170 U-Bahnhöfen der Stadt kaum zu übersehen. Schon an den Eingängen weisen große Schilder auf die „Nichtraucher-Zone“ im Untergrund hin. Auf den elektronischen Anzeigetafeln wirbt in regelmäßigen Abständen ein Lauftext für den Verzicht auf blauen Dunst. „Für Sicherheit und Sauberkeit: unser Rauchverbot“, heißt es. Und hin und wieder meldet sich eine Frauenstimme über die Lautsprecher und fordert die „sehr geehrten Fahrgäste“ dazu auf, den Aufenthalt auf den Bahnhöfen doch bitte rauchfrei zu gestalten.

Meistens allerdings scheint es bei den gut gemeinten Appellen zu bleiben, Raucher haben kaum etwas zu befürchten, wenn sie sich auf dem U-Bahnsteig eine Zigarette genehmigen. Wer trotz des Rauchverbots blauen Dunst verbreitet, kann zwar dazu aufgefordert werden, ein „Reinigungsgeld“ von 10 Euro zu zahlen. In den meisten Fällen begnügen sich die Ordnungskräfte jedoch mit der Aufforderung, die Zigarette auszudrücken – und das, obwohl die BVG jährlich rund 1,2 Millionen Euro für die Reinigung ihrer U-Bahnhöfe von den weggeworfenen Kippen zahlen muss. Die Mitarbeiterin des privaten Sicherheitsdienstes ASE am Kottbusser Tor jedenfalls hat bisher nicht einmal etwas von der Reinigungsgeld-Regelung gehört: „Davon weiß ich nichts“, sagt sie. Die Sicherheitsfrau setzt stattdessen auf Verständigung. „Wir sprechen Raucher gezielt an und bitten sie, die Zigarette auszumachen. Meistens zeigen sie sich dann einsichtig.“

Doch die pädagogische Wirkung solcher Ermahnungen scheint begrenzt, so lange damit keine spürbaren Sanktionen verbunden sind. So sehen es Fahrgäste, die sich durch den blauen Dunst belästigt fühlen. „Der Rauch stört mich extrem“, sagt Helga aus Spandau. Die 60-Jährige findet, dass den Rauchern in den U-Bahnhöfern mit guten Worten allein nicht beizukommen ist. „Viel zu viele kümmern sich nicht um das Rauchverbot, weil sie nichts zu befürchten haben. Deshalb muss es spürbare Sanktionen geben.“

U-Bahnraucher Hüseyin sieht das im Grunde genauso. Zwar behauptet er von sich, Rücksicht auf Nichtraucher zu nehmen. „Wenn es andere Fahrgäste stört, dann drücke ich die Zigarette natürlich aus“, sagt er. So lange ihm allerdings keine empfindlichen Strafen drohten, wolle er nicht auf die Rauchpause im Bahnhof verzichten. Schließlich habe die Zigarette am Bahnsteig einen praktischen Nutzen: „Rauchen verkürzt die Wartezeit“, behauptet er. „Kaum brennt die Kippe, kommt auch schon die Bahn.“ wie

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben