Rauchverbot : Aufhören? Nein, danke

Raucher lassen sich durch das neue Gesetz kaum abschrecken – gute Vorsätze aber gibt es immer wieder.

Christina Kohl /Oriana zu Knyphausen
Rauchverbot
Als wenig verlockend empfinden Raucher neben rauchfreien Kneipen offenbar das Angebot an Nichtraucher-Kursen.dpa

1. Januar 2008: Beginn einer rauchfreien Zeit? Fehlanzeige. Weder Nichtraucherschutzgesetz noch Neujahrsbeginn scheinen in Berlin für Raucher Grund genug zu sein, von der Zigarette zu lassen. Nikotinpflaster verkaufen sich nur mäßig, in Entwöhnungskursen sind noch Plätze frei – Apotheker, Krankenkassen und Heilpraktiker haben nicht mehr zu tun als sonst.

Nikotinpflaster sind in der Discount-Apotheke an der Potsdamer Straße in Schöneberg derzeit im Sonderangebot. Gekauft hat sie allerdings noch niemand, sagt eine Mitarbeiterin. Maria Papastamatiou aus der Humboldtapotheke in der Lützowstraße hatte hingegen schon im vergangenen Dezember Kunden, die die Pflaster verlangten: „Selbst leidenschaftliche Raucher wollten aufhören. Zum Ende des Jahres sind das aber immer ein paar mehr.“

Das Interesse an speziellen Rauchentwöhnungskursen der Krankenkassen hat sich zu Beginn des Jahres jedenfalls kaum verändert. Im Januar sind zwar schon zwei Kurse der AOK voll, auch für April gibt es bereits Anmeldungen. Mehr Interessenten als im vergangenen Jahr sind das laut AOK aber nicht. Die Rauchfrei-Kurse der Berliner Selbsthilfe-Kontakt- und Beratungsstelle Mitte sind ebenfalls nur durchschnittlich gefüllt. Von einem Ansturm könne keine Rede sein, sagt Mitarbeiterin Birgit Sowade.

„Im Vergleich zu anderen Präventionskursen wie Ernährungsberatungen und Bewegungsprogrammen, werden Nichtraucherberatungen und -kurse sehr wenig genutzt“, sagt Nina Osmers von der DAK. Die Krankenkasse hat daher ein Onlineprogramm für Jugendliche zwischen 13 und 26 Jahren entwickelt. Hier zeigen sich durchaus Erfolge: Rund 11 000 Raucher haben sich seit 2002 für das Programm angemeldet, durchschnittlich zwischen 20 und 30 Jugendliche in zwei Wochen. In der zweiten Dezemberhälfte 2007 gab es sogar 70 Anmeldungen – mehr als doppelt so viel wie sonst.

Lutz Mehlhorn ist Naturheilpraktiker und bietet ein Fünf-Stunden-Seminar zum „Glücklichen Nichtraucher“ an. Der erste Termin für 2008 war bereits im Dezember ausgebucht. Insgesamt 23 Anmeldungen hat er für die vier Seminare im Januar. „Das ist dieses Jahr aber nicht anders als früher“, sagt Mehlhorn.

So ähnlich geht es auch Mourad Bihman. Er will seine Patienten mit Akupunktur-Behandlungen zu Nichtrauchern machen. Sechs Patienten haben bereits im Dezember mit der Therapie begonnen. „Da kommen immer ein paar mehr als in den übrigen Monaten“, sagt Bihman.

„Endlich Nichtraucher!“ Das scheinen sich auch viele für ihre Verwandten und Freunde zu wünschen. Das gleichnamige Buch von Allen Carr ist seit seiner ersten Auflage 1992 zum Klassiker der Entwöhnungsliteratur geworden. Vor Weihnachten kauften besonders viele den Ratgeber, bestätigt ein Mitarbeiter einer großen Berliner Buchhandlung. Mehr als üblich seien es allerdings Ende 2007 nicht gewesen.

Den guten Vorsatz, im neuen Jahr mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es nach wie vor. Der hat allerdings nur bei wenigen mit dem neuen Gesetz zu tun. In einer von der DAK in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage von Oktober/November 2007 geben 14 Prozent der befragten Raucher im Bundesgebiet an, dass das Nichtraucherschutzgesetz für sie ein Anlass ist, sich das Rauchen abzugewöhnen. Der Suchtpsychologe Hans-Joachim Ruhr rechnet vor allem ab Mitte des Jahres mit mehr Anmeldungen zu Nichtraucherkursen – dann nämlich, wenn den Berliner Rauchern Bußgelder drohen für das Qualmen in Restaurants und Gaststätten. Christina Kohl /

Oriana zu Knyphausen

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