Rauchverbot : Wasserpfeifen-Bars fürchten um ihre Existenz

Betreiber von Bars und Restaurants befürchten von einer strikten Umsetzung des Nichtrauchergesetzes Umsatzeinbrüche. Besonders betroffen wären Shisha-Bars, da diese ohne Wasserpfeifen kaum denkbar wären.

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Wasserpfeifen-Bar. Im nächsten Jahr könnte mit dem Shisha-Rauchen Schluss sein. -Foto: ddp

BerlinIn der Luft hängt eine süßliche Melange wie von 1.001 Duftbäumchen. Zahlreiche Besucher haben sich in der Wasserpfeifen-Bar Treppe 25 in Berlin-Mitte niedergelassen und ziehen genüsslich den Tabakrauch mit Kirsch-, Apfel- und Minznote ein. Doch ab Anfang 2008 könnte damit Schluss sein. Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen in Berliner Gaststätten ohne speziell abgetrennte Räume keine orientalischen Pfeifen und auch keine sonstigen Tabakwaren mehr geraucht werden dürfen. Die Besitzerin der Bar, Sigrid Wanner, rechnet mit massiven Umsatzeinbußen. Im schlimmsten Fall müsse sie ihr Lokal schließen.

Fast ausschließlich kämen ihre Gäste wegen der Wasserpfeifen in ihr Lokal in der Gormannstraße, betont Wanner. Viele von ihnen seien Touristen, die sich in einer angenehmen Atmosphäre einen schönen Abend machen wollten. "Irgendeine Attraktion muss ich ja bieten, damit die Leute in meine Bar kommen", sagt die Unternehmerin. In einem abgetrennten Nebenraum könnten die Wasserpfeifen laut Nichtraucherschutzgesetz weiterhin blubbern. Doch eine Trennwand durch den Raum zu ziehen, das kommt für Wanner nicht infrage.

Shisha-Bars ohne Shisha?

"Es muss ja niemand hier reinkommen, der kein Raucher ist", findet die Gastronomin. Sie fühlt sich durch das Gesetz benachteiligt. Wenn sie in Zukunft ihre Gäste zum Rauchen vor die Tür schicken soll, fürchtet sie den Unmut der Anwohner. Im Sommer hätten sich Bewohner der oberen Etage des Hauses bereits über den aufsteigenden Wasserpfeifenrauch beschwert. "Das ging sogar soweit, dass ein Eimer Wasser hinuntergeschüttet wurde, um den Rauchschwaden der schmauchenden Gäste Einhalt zu gebieten."

Auch der Lärm ihrer vor der Tür rauchenden Kunden könnte die 50-jährige Barbesitzerin vor Probleme stellen. Ein Nachbar sei zu später Stunde in die Treppe 25 gekommen und habe die Gäste gebeten, sich doch bitte leiser zu unterhalten. Für all die Proteste der Anwohner hat die Nichtraucherin Wanner Verständnis: "Das ist alles nachvollziehbar und ich sehe das auch ein. Aber ich verstehe nicht, warum mir die Geschäftsgrundlage genommen wird." Den Angaben der Internetseite shisha-guide.com zufolge gibt es 66 Bars in Berlin, die Wasserpfeifen anbieten.

Entscheidungsfreiheit für Gastronomen

Der Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbands Berlin (Dehoga), Klaus-Dieter Richter, sieht mit dem Nichtraucherschutzgesetz "eine totale Wettbewerbsverzerrung" einhergehen. Denn größere und finanziell robuster aufgestellte Gaststätten seien viel eher in der Lage, einen Raucherraum einzurichten als kleinere Unternehmen. Der Optimalfall wäre für Richter, "wenn sich die einzelnen Gastronomie-Betriebe eigenständig entscheiden können, ob geraucht werden darf oder nicht."

Richter gibt zudem zu bedenken, dass das Gesetz noch nicht präsent sei in der Berliner Gastronomie-Landschaft. "Ich habe bisher von keinem Betrieb gehört, der einen Raucherraum einrichten will", sagt er. Eine halbjährige Eingewöhnungszeit (bis 1. Juli) soll Gastronomen und Gästen die Gelegenheit geben, sich mit den neuen Regeln vertraut zu machen. Bis dahin sollen bei Vergehen auch keine Bußgelder verhängt werden.

Rauchende Gäste vor der Tür stören Anwohner

Im indischen Restaurant mit Cocktail-Bar Aapka gehen die Gäste bereits jetzt freiwillig zum Rauchen vor die Tür. Junior-Chef Sukhwinder Singh hat sich das Gesetz seit langem herbeigesehnt. "Das hätte schon vor zehn Jahren passieren müssen", sagt er. Sein Lokal verfügt sogar über eine separate Lounge, die mit wenig Aufwand zum Raucherbereich umfunktioniert werden könnte. Das kommt für ihn aber nicht in Frage. Singh findet es besser, "wenn die Leute nicht rauchen". Im schlimmsten Fall könnten die Gäste für die Zigarette kurz vor die Tür gehen.

An einen Umsatzrückgang glaubt Singh nicht. Viel eher rechnet er mit einem Plus an Gästen, da sich in einem rauchfreien Lokal Familien wohler fühlten als in verrauchten Räumen. (mit ddp)

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