Berlin : Raumluftmessung: Spurensuche nach gefährlichen Fasern

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Die Gefahr durch Künstliche Mineralfasern muss nach Ansicht des Landesamtes für Arbeits-, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) ernster genommen werden. Es sei ein "immens großes Problem" in Ost und West, dass bisher keine Bestandsaufnahme erfolgt sei. Inbesondere in stark beanspruchten Gebäuden wie Turnhallen müsse die Belastung der Raumluft unter Nutzungsbedingungen gemessen werden, beispielsweise wenn Bälle gegen die Decken prallen. Die Bündnisgrünen forderten gestern einen Stufenplan zur Sanierung betroffener Gebäude.

Das Lagetsi wies darauf hin, dass die Dämmmatten mit den Krebs erregenden Fasern nicht nur im Ostteil der Stadt verarbeitet wurden. Dieses Produkt sei auch im Westen verwendet worden, wo generell mehr Geld in die Lärm- und Wärmedämmung investiert wurde. Ingenieurin Karin Prekel widersprach damit Darstellungen, wonach Künstliche Mineralfasern vor allem Plattenbauten eines bestimmten DDR-Bautyps verwendet worden seien. Wie berichtet, hatten Sanierungsarbeiten an der Lichtenberger Werner-Seelenbinder-Schule die gesundheitsgefährdenden Stoffe zutage gefördert, wodurch die aktuelle Debatte um die Dämmmatten ausgelöst wurde.

Verboten ist die Verwendung bestimmter Mineralfasern bereits seit Mitte der 90er Jahre: Das Umweltbundesamt hatte nach Tierversuchen erklärt, dass beim Einatmen der Substanzen ein Krebsrisiko bestehe. Der Grünen-Abgeordnete und Steglitzer Umweltmediziner Bernd Köppl forderte damals bereits eine Klassifizierung aller öffentlichen Gebäude, um die Risiken einschätzen zu können. Die anderen Bezirke seien diesem Vorschlag allerdings kaum gefolgt, sagte gestern Köppl, der inzwischen Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung ist.

Köppls Vorschlag griff gestern die Grünen-Sprecherin für Verbraucherschutz, Claudia Hämmerling, auf, als sie eine Bestandsaufnahme für alle Gebäude forderte. Priorität müssten dabei Bauten haben, in denen sich Jugendliche und Kranke aufhielten.

Auch das Lagetsi sieht in der Bestandsaufnahme einen wichtigen ersten Schritt. Anschließend müsse untersucht werden, ob die gefährlichen Fasern überhaupt in die Raumluft gelangen können, sagte der Arbeitshygieniker Rainer Gentsch. Laut Gentsch wäre es die Aufgabe der Senatsbauverwaltung gewesen, eine derartige Bestandsaufnahme zu veranlassen.

Bausenator Peter Strieder (SPD) sieht allerdings eher die bezirklichen Bauaufsichtsämter in der Pflicht. "Wir prüfen jetzt die Bauakten", teilte Reinickendorfs Baustadtrat Michael Wegner (CDU) auf Anfrage mit. Allerdings ist er der Ansicht, dass Strieder "die Standards vorgeben müsste".

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