Berlin : Raumluftmessungen: Böger lässt an weiteren Schulen Luft messen

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Schulsenator Klaus Böger (SPD) hat an 14 Schulen in Landesträgerschaft Raumluftmessungen angeordnet. Damit will er sicherstellen, dass keine Belastung durch Krebs erregende Mineralfasern besteht. Es handelt sich um das Coubertin-Gymnasium, die Staatliche Ballettschule sowie elf Oberstufenzentren.

Diese Schulen gehören zum gleichen Gebäudetyp wie die Werner-Seelenbinder-Sportoberschule, in der Dämmmatten mit den gefährlichen Fasern entdeckt worden waren. Wie bereits berichtet, werden die Matten zurzeit ausgetauscht. Auch für Dutzende Schulen in Bezirksträgerschaft sind Messungen geplant. Falls Fasern nachgewiesen werden, muss Berlin laut Schulverwaltung kurzfristig ein Notprogramm organisieren. Dazu gehöre auch der Einsatz mobiler Klassenräume.

Ob die Krebs erregenden Stoffe, die zur Wärme- und Lärmdämmung verwandt werden, aus den Lüftungsschächten in die Raumluft gelangten, ist noch nicht geklärt. An der Seelenbinder-Schule wurde gestern gemessen, frühestens heute liegen die Ergebnisse vor und sollen veröffentlicht werden. An dieser Schule werden die Dämmmatten in jedem Fall ausgetauscht, da sie durch aktuelle Bauarbeiten beschädigt werden könnten, was die Freisetzung der Fasern befördert. Anders liegt der Fall bei den anderen Schulen, an denen zur Zeit keine Bauarbeiten durchgeführt. Falls hier dennoch die Fasern in der Raumluft nachgewiesen werden, obwohl die Matten nicht durch Bauarbeiten beschädigt wurden, wäre dies alarmierend.

"Dann wäre Berlin in Not", sagte Böger. Wenn dieser schlimmste Fall - eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres - eintreten sollte, "dann müssten wir alle Schulen schließen, in denen diese künstlichen Materialfasern in Dämmplatten verwandt wurden". Dies könnte bedeuten, dass etliche Schulen nicht pünktlich zum Schulbeginn nutzbar sind. Nach groben Schätzungen gehören rund 200 Schulen zu dem Bautyp der Seelenbinder-Schule. Deren Unterricht wird vorübergehend in eine Friedrichshainer Berufsschule verlagert.

Man müsse jetzt den richtigen Mittelweg zwischen Hysterie und Leichtfertigkeit finden, sagte Böger gestern am Rande einer Presserundfahrt mit Bausenator Peter Strieder (SPD). Wahlkampfträchtig stellten die beiden Senatoren vier Schul- und Sportstätten vor, die vom diesjährigen 100-Millionen-Mark-Sanierungsprogramm des Senats profitieren. Damit von dem Geld keine "Schönheitsreparaturen", sondern ausschließlich notwendige Projekte finanziert werden, will der Senat künftig genauer hinsehen, wenn die Bezirke ihre Prioritätenlisten vorlegen. Bislang war die Schulverwaltung weitgehend den Wünschen der Bezirke gefolgt. Das Sanierungsprogramm soll auch nach den Abgeordnetenhaus-Wahlen am 21. Oktober fortgesetzt werden.

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