Berlin : Raus aus der Anonymität

Lob für das Quartiersmanagement – die Probleme lösen kann es aber nicht

Matthias Oloew

Früher sind Berlins Stadtplaner in die Niederlande gereist, um sich Ideen zur Stadterneuerung abzugucken. Heute kommen Vertreter niederländischer Wohnungsbaugesellschaften nach Berlin, um von der Stadt zu lernen. Sie interessieren sich für das Quartiersmanagement. Es löst zwar nicht die Integrations-Schwierigkeiten, „aber hilft deutlich, die Probleme abzufedern“, sagt Hartmut Thielen, Referent für Stadtentwicklung beim Deutschen Städtetag.

Das Quartiersmanagement, das es nicht nur in Berlin, sondern ähnlich auch in Köln, München oder Stuttgart gibt, ist international zum Gesprächsthema geworden. Interessant ist es vor allem, so Philipp Mühlberg, Referatsleiter für die soziale Stadtentwicklung bei der Senatsstadtentwicklungsverwaltung, weil es ein praktisches Programm ist: „Wir versuchen mit ganz konkreten Maßnahmen, die Anonymität aufzubrechen und ein Wir-Gefühl in der Nachbarschaft entstehen zu lassen.“ Kurzum: Wenn ich nicht nur das Auto meines Nachbarn kenne, sondern auch den Menschen, dann stecke ich es in einer Krawallnacht nicht an.

Das Programm ist in Mühlbergs Augen alternativlos. Mit kleinen Maßnahmen und einem relativ geringen finanziellen Aufwand seitens des Senats werden ehrenamtliche Initiativen angeschoben und Jugendtreffs aufgebaut. Es sei ganz wichtig, dass es feste Ansprechpartner gibt, die ein Ohr für die Probleme in der Nachbarschaft haben, erklärt Hartmut Thielen. Aber eine Kontrolle, wie wirksam und erfolgreich die Maßnahmen sind, um Krawalle zu verhindern, gibt es derzeit noch nicht. Doch Philipp Mühlberg ist sich sicher: „Durch das Quartiersmanagement sind wir in Sachen Integration und Chancengleichheit schon sehr weit.“

Für Albrecht Göschel, Projektleiter für Sozialpolitik beim Deutschen Institut für Urbanistik, ist das Quartiersmanagement zwar ein lobens- und unterstützenswerter karitativer Versuch, etwas gegen Krawalle zu tun: „Letztendlich hilft aber nur ein Arbeitsplatz.“ Nur wenn es gelinge, den jobsuchenden Jugendlichen eine berufliche Perspektive zu bieten, könne verhindert werden, dass es zu ähnlichen Ausschreitungen in einigen Jahren auch bei uns kommt. Der Schlüssel liege im Spracherwerb: „Es kann nicht sein, dass die Jugendlichen der zweiten oder dritten Generation schlechter sprechen als ihre Eltern.“

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