Rauschgift : Drogenmarkt am Kotti: Von Koks bis Heroin

Der Bereich rund um den U-Bahnhof Kottbusser Tor gilt als wichtigster Drogenumschlagpunkt in Berlin. Ein Report über die gängigsten Rauschgifte.

Tanja Buntrock
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Achtung, Drogenkontrolle. Hier durchsucht ein Zivilpolizist am Kottbusser Tor den Tascheninhalt eines Rauschgiftdealers. -Foto: David Heerde

Eine Bürgerinitiative versucht mit dem Bezirk die Drogenproblematik zu bekämpfen. Eine schwierige Aufgabe, denn am „Kotti“ finden Konsumenten jedes Rauschgift, das in Berlin zu haben ist. Insbesondere der Preis für Heroin ist in den vergangenen Jahren gesunken: Ein Schuss ist für zehn Euro zu haben. Hier ein Überblick über den Drogenmarkt in Berlin:

HEROIN

Das weiße Pulver wird aus dem Rohopium des Schlafmohns durch chemische Prozesse gewonnen. Konsumiert wird es vor allem von sogenannten Langzeitsüchtigen. Es sind vorwiegend Erwachsene, die Heroin missbrauchen – laut Polizei sind ein Viertel der Nutzer Nichtdeutsche. Sucht-Experten schätzen die Zahl der Heroinsüchtigen in Berlin auf 8000 bis 10 000. Im Jahr 2007 gab es laut Polizei 121 Heroin-Tote. Verkauft wird das weiße bis bräunliche Pulver als Straßenheroin in Portionskügelchen. Handelsplätze sind hauptsächlich U-Bahnhöfe und deren Umgebung wie das Kottbusser Tor in Kreuzberg oder in den Linien der U 7 oder U 8.

Der Preis für Heroin, das meistens gespritzt und teilweise geraucht oder geschnieft wird, bewegt sich bei zehn Euro (0,2 bis 0,3 Gramm). Im Jahr 2007 zählte die Polizei 733 Fälle von Heroinhandel und 990 Fälle illegalen Erwerbs.

Die Wirkung: Heroin wirkt betäubend, beruhigend und zugleich stark euphorisierend. Unangenehme Wahrnehmungen und Reize werden ausgeblendet.

Die Gefahr: Neben der sehr schnellen Abhängigkeit mit körperlichen Entzugserscheinungen besteht nur ein sehr geringer Spielraum zwischen körperlicher Verträglichkeit und toxischer Wirkung, wenn der Körper nicht an die Substanz gewöhnt ist. Doch auch anhaltender Heroinkonsum kann tödlich enden – vor allem, wenn Menge und Konsum rasch gesteigert werden müssen, um den körperlichen Entzugserscheinungen entgegenzuwirken.


KOKAIN

In der Szene wird das weiße, kristallartige Pulver auch als Koks, Schnee, Coke, Crack oder Rocks bezeichnet. Drogen-Experten sprechen von einem leichten Anstieg des Kokain-Konsums in Berlin. Genaue Zahlen dazu liegen nicht vor. Doch laut einer Schätzung des Therapiezentrums „Kokon“ gibt es rund 30 000 Kokain-Süchtige in der Hauptstadt. Die Polizei spricht davon, dass 90 Prozent der Konsumenten Erwachsene sind. Kokain sei jedoch längst keine „Nobel- oder Oberschichten-Droge“ mehr, sondern weit verbreitet in der Gesellschaft.

Der Preis: Der Marktwert schwankt je nach Qualität zwischen fünf und 20 Euro (0,2 bis 0,4 Gramm). Dealer verticken den Stoff entweder an bekannten U-Bahnhöfen oder aber in Szene-Lokalen, Diskos und Clubs. 290 Fälle wegen Handels mit Kokain und 473 Erwerbsfälle zählte die Polizei im Jahr 2007. Zudem gab es laut Polizei 62 Kokain-Tote.

Die Wirkung: Kokain ist als „Leistungsdroge“ bekannt. Es wirkt euphorisierend und aktivitätssteigernd. Es dämpft das Hungergefühl und senkt das Schlafbedürfnis.

Die Gefahr: Die Rauschdroge macht stark abhängig. Schon eine geringe Dosis kann einen „Kokainschock“ auslösen: Schweißausbrüche, Atemnot bis hin zu schwerem Kreislaufversagen. Es kann die Atem- und Pulsfrequenz gefährlich erhöhen und einen Herzinfarkt auslösen. Auch die psychischen Folgen sind enorm: So kann ein langfristiger Gebrauch des weißen Pulvers zu Depressionen, Schlafstörungen, Angstzuständen und sexuellen Funktionsstörungen führen.


CANNABIS

Der psychoaktive Wirkstoff Tetrahydrocannabinol entstammt der Hanfpflanze „Cannabis sativa“. Konsumiert werden die getrockneten Blüten und Blätter (Marihuana, Gras) und der gepresste Blütenstaub (Haschisch, Dope). Cannabis ist die meistverbreitete Droge in Berlin. Die Fachstelle für Suchtprävention schätzt, dass es in der Hauptstadt rund 33 000 Konsumenten gibt und rund 14 000 Abhängige. Die Nutzer kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Zu 70 Prozent sind es Erwachsene, zu 30 Prozent Jugendliche und Heranwachsende.

Der Preis: Auf dem Markt kosten laut Polizei 1,2 bis 1,4 Gramm zwischen 2,50 und zehn Euro – je nach Qualität. Gehandelt wird mit Cannabis vor allem in U-Bahnlinien wie der U 7 oder der U 8 und in deren Umgebung sowie in Parkanlagen wie etwa dem Weinbergspark in Mitte und der Hasenheide in Neukölln. Aber auch über private Kontakte versorgen sich die Konsumenten. Die Polizei registriert immer mehr sogenannte illegale Indoor-Plantagen. Hier werden die Pflanzen so hochgezüchtet, dass der Wirkstoffgehalt viel stärker ist als bei den aus Nordafrika eingeschmuggelten Produkten. Während orientalische Pflanzen durchschnittlich fünf Prozent des Hauptwirkstoffs THC enthalten, können es bei Züchtungen sogar 20 Prozent sein. Im Jahr 2007 sind laut Polizeistatistik 1469 Fälle von illegalem Handel und 5504 Fälle von Cannabis-Erwerb bekannt geworden.

Drogen
Protest gegen Drogenkonsum am Kottbusser Tor. -Foto: ddp

Die Wirkung: Cannabis, das meist geraucht wird, verstärkt positive oder auch negative Grundstimmungen. Die Wirkung reicht von angenehmer Entspannung und Wohlgefühl bis hin zu erhöhter Unruhe. Sinneswahrnehmungen können intensiviert werden.

Die Gefahr: Das Risiko der psychischen Abhängigkeit ist groß. Langfristig können Wahnvorstellungen, Antriebsarmut und Psychosen die Folgen sein.


ECSTASY

Die synthetische Droge, meist in Form einer Pille, seltener in Pulverform, gehört zu den Amphetaminen. Verbreitet ist sie nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Die Polizei schätzt deren Anteil auf rund 30 Prozent. Insgesamt ist nach Erkenntnissen der Polizei der Ecstasy-Gebrauch in Berlin leicht rückläufig. Vertrieben wird die „Tanz-Droge“ meist in Szene-Lokalen, Clubs, Diskos, auf Partys und in der Techno-Szene.

Der Preis: Pro Pille schwankt er zwischen zwei und zehn Euro. (Pulver: Ein Gramm für fünf bis 20 Euro.) Ecstasy wird vorwiegend aus den Niederlanden nach Deutschland geschmuggelt. Im Jahr 2007 hat die Polizei 77 Fälle von Handel mit Ecstasy registriert und 146 Erwerbsfälle. (Pulver: 136 Fälle Handel und 459 Fälle Erwerb.) Zudem gab es im vorigen Jahr fünf Menschen, die aufgrund von einer Überdosis Ecstasy ums Leben kamen.

Die Wirkung: Die Substanz beginnt nach etwa 20 bis 60 Minuten zu wirken und hält zwischen vier und sechs Stunden an. Sie euphorisiert und ist antriebssteigernd. Sie löst Glücksgefühle aus und macht kommunikativ.

Die Gefahr: Ecstasy kann Halluzinationen und damit einhergehende „Horror-Trips“ auslösen. Die Konsumenten werden unruhig, nervös und gereizt. Der Blutdruck und der Puls werden beschleunigt, die Körpertemperatur steigt. Im Rausch nehmen Konsumenten diese Nebenwirkungen oft nicht wahr, ebenso wenig wie den Flüssigkeitsverlust, der zu Kreislaufzusammenbrüchen führen kann. Zudem können Einschlafstörungen, Kopfschmerzen und Psychosen auftreten. Experten berichten von einer erhöhten Neigung zum Suizid bei Langzeitkonsumenten.


CRYSTAL

Auch bekannt unter „Crystal Speed“ oder „Crystal Meth“ bzw. Ice oder Glass. Crystal ist wie Ecstasy eine synthetische Droge mit dem Wirkstoff Metamphetamin – eine chemische Substanz, die schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von Soldaten zur Leistungssteigerung und Bekämpfung von Müdigkeit eingesetzt wurde. Die Droge Crystal ist Metamphetamin in Reinform – sie sieht wie kristallines Salz aus. Die Substanz wird in illegalen Drogenlabors hergestellt und dann in der Szene verkauft. Crystal wird in Europa vornehmlich geschnupft, in Russland gespritzt und in Asien eher geraucht. Sowohl die Polizei als auch Drogenexperten sagen, dass es in Berlin keine nennenswerte „Crystal-Szene“ gibt – anders als in Hamburg oder Hannover. Die Experten sehen den Crystal-Konsum in der Hauptstadt als gering an.

Die Wirkung: Man wird wach, selbstbewusst, verspürt keinen Hunger und keine Müdigkeit, auch die Libido ist gesteigert. Allerdings wurde bei vielen Konsumenten mehr Aggressivität festgestellt.

Gefahr: Starke Abhängigkeitsgefahr, Verfolgungswahn, Überdosierungen können tödlich sein.

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