Berlin : Razzia am Drogenmarkt Hermannplatz

MICHAEL BRUNNER

Fast hundert Beamte im Einsatz / Zahlreiche Verdächtige festgenommen / Anwohner verärgert über DealerVON MICHAEL BRUNNER BERLIN.Mit einer großangelegten Aktion ist die Polizei gestern gegen die Drogenszene am Hermannplatz vorgegangen.80 Beamte in Uniform und 14 Zivilfahnder kontrollierten auf dem als "gefährlicher Ort" eingestuften Platz insgesamt 1500 Personen und verglichen die Personaldaten der Verdächtigen mit den Notizen im Fahndungscomputer.Dabei nahmen die Beamten elf Personen vorläufig fest und erstatteten 30 Anzeigen.Zweck des Einsatzes im Rahmen der Aktion "Sicherheitsnetz" war es nach Auskunft der Polizei, den Dealern am Hermannplatz durch umfangreiche Präsenz der Polizei einen Dämpfer zu geben."Nach neuesten Ermittlungsergebnissen wird am Hermannplatz und in zahlreichen Gaststätten in seiner näheren Umgebung mit weichen Drogen gehandelt, vor allem mit Haschisch", sagte Polizeireferent Lars Neumann vom Abschnitt 54, der den Einsatz leitete.Neumann schilderte die Taktik des gestrigen Tages folgendermaßen: Um 16 Uhr fuhren am U-Bahn-Eingang mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei vor.Dadurch wurden zahlreiche Dealer und andere Verdächtige aufgeschreckt und begaben sich an das andere Ende des Platzes und zu weiteren der Polizei bekannte Treffpunkten.Bei ihrer Flucht wurden die Verdächtigen von sieben Zivilfahnder-Teams mit je zwei Beamten beobachtet und verfolgt.In den Abendstunden dehnten die Fahnder ihre Ermittlungen auf Gaststätten aus, die von Dealern für die Abwicklung ihrer Geschäfte benutzt werden.Wie Lars Neumann am Rande des Einsatzes weiter sagte, gehen seit mehreren Monaten immer mehr Beschwerden und Anzeigen aus ausländischen Familien ein, in denen Drogendelikte beschrieben werden.Unter den ausländischen Anwohnern des Hermannplatzes wachse die Unzufriedenheit über die Umtriebe der Drogenhändler.Die Polizei sei entschlossen, die Beschwerden und Anzeigen ernst zu nehmen und den Hermannplatz wieder sicherer zu machen.Derzeit sei der Platz durch den Abschnitt 54 als "gefährlicher Ort" definiert.Dies bedeute, daß die Polizei dort jederzeit Personen kontrollieren darf, ohne daß ein konkreter Tatverdacht besteht.Zur Zahl der "gefährlichen Orte" in ganz Berlin machte die Polizei gestern keine Angaben.Wie es hieß, werden Plätze dieser Kategorie anhand der Häufigkeit von Anzeigen und Vorfällen immer wieder überprüft.Sinkt die Zahl der Straftaten, können Plätze und Gebiete aus der Kategorie "gefährlicher Ort" entlassen werden.Im Jahr 1996 hat es in Berlin nach Angaben der Innenverwaltung insgesamt 24 "gefährliche Orte" gegeben.Dazu zählten damals unter anderem Breitscheidplatz, Alexanderplatz, Kurfürstendamm, Potsdamer Straße, Nollendorfplatz, Oranienburger Straße und Kottbusser Tor.Aus taktischen Gründen hält die Polizei geheim, wo sich weitere Kriminalitätsschwerpunkte befinden.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben