Berlin : Razzia bei Bushido

Villa und Agenturbüros wurden durchsucht Staatsanwaltschaft: Verdacht auf Steuerstraftat.

Foto: dpa

Berlin - Erst Mitte April wurde der Rapper Bushido bezichtigt, enge Kontakte zu mafiaähnlichen Clans in Berlin zu pflegen. Nun aber gibt es offenbar konkrete Verdachtsmomente gegen ihn – allerdings wegen vermuteter Steuerstraftaten. Am Dienstag wurden mehrere Anwesen des 34-jährigen Rap-Musikers deshalb „umfangreich durchsucht“, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Unter anderem sichteten die Ermittler Unterlagen in der Privatvilla von Bushido in Wannsee. Auch in den Büros seines Managements sowie in seiner Steuerberatungskanzlei suchten die Fahnder nach Informationen. Weitere Einzelheiten nannte die Staatsanwaltschaft bis Redaktionsschluss nicht.

Im April war Bushido wegen möglicher Verbindungen zur libanesischen Großfamilie Abou-Chaker in die Schlagzeilen geraten. Gegen Mitglieder dieses Berliner Clans wird seit vielen Jahren wegen zahlreicher Delikte im Bereich der Organisierten Kriminalität ermittelt. Das Magazin „Stern“ schrieb damals, seiner Redaktion liege eine Generalvollmacht vor, nach der Bushido einem führenden Mitglied der Großfamilie den Zugriff auf all seine Besitztümer ermöglicht habe. Der Empfänger werde ermächtigt, nach Belieben über das gesamte Eigentum des Rappers zu verfügen – sogar über den Tod hinaus. Der Bevollmächtige des Clans und Bushido seien eng befreundet, hieß es weiter. Gemeinsam würden sie zur Zeit als Bauherren eine denkmalgeschützte Villa in Kleinmachnow bei Berlin sanieren, die Bushido erworben hat. Auch bei diesem Vorhaben geriet der Musiker im Jahr 2012 mit den Behörden in Konflikt, weil er gegen Denkmalschutzauflagen verstieß. Dass gegen ihn wegen eventueller Steuerstraftaten ermittelt werde, war gleichfalls schon vor längerer Zeit verlautet.

Die Karriere des Rappers begann im Jahr 2000. Sein Künstlername „Bushido“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet „Weg des Kriegers“ – der Verhaltenscodex der Samurai.Er ist ist seit etlichen Jahren umstritten, wurde wegen Beleidigung verurteilt und mehrfach wegen frauen- und schwulenfeindlicher Texte kritisiert. Andererseits erhielt er 2011 einen Bambi für „gelungene Integrationsleistungen“, was heftige Diskussionen auslöste. Ein Jahr zuvor war bereits der Film über seine Biografie „Zeiten ändern dich“ mit ihm in der Hauptrolle angelaufen. Im Herbst soll sein erstes Buch erscheinen mit dem Titel: „Auch wir sind Deutschland. Ohne uns geht nicht. Ohne euch auch nicht.“ CS

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