Berlin : Razzia im Techno-Club

300 Polizisten in der Drogen- und Türsteher-Szene in Mitte

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Mit der Polizei kam das Ende eines Weltrekordversuchs: Als das Sondereinsatzkommando am Sonntagvormittag gegen 9 Uhr den SkyClub in den S-Bahnbögen an der Dircksenstraße in Mitte stürmte, war nach 70 Stunden auch Schluss für die beiden Disc-Jockeys, die für das Guinness-Buch den Rekord im Auflegen von Schallplatten brechen wollten. Alle Männer in dem Techno-Club mussten sich auf die Erde legen, dann wurde nach und nach jeder der mehr als 150 Anwesenden ans Tageslicht gebracht und musste sich ausweisen.

Rund ein Jahr hatte die Polizei gegen den Club ermittelt, der als Treffpunkt der Türsteher-Szene gilt. Die Bewacher der Eingänge von Diskotheken und Clubs gelten bei der Polizei als die heimlichen Chefs dieser Vergnügungslokale. Für die Ermittler ist die „Türsteher-Szene der Schlüssel zur Organisierten Kriminalität“. In den Lokalen werde mit Drogen und Waffen gehandelt, manchmal auch mit Frauen – alles unter den Augen der Türsteher. Wenn die Szene-Clubs im Ostteil der Stadt mit der Morgendämmerung ihre Türen abschlossen, trafen sich die Türsteher im Sky-Club, der auch vormittags noch geöffnet hat. Dort haben sie nach Angaben der Ermittler ihre Deals besprochen oder Straftaten verabredet.

Nicht selten sind Türsteher in Erpressungen verwickelt, und sie gelten als brutale Schläger. Viele gewaltbereite Fußballfans, Hooligans der schlimmsten Sorte, aus dem Umfeld des Fußballklubs BFC Dynamo gehören nach den Erkenntnissen der Kripo im Ostteil der Stadt zu den Türstehern, ermittelte das Landeskriminalamt (LKA). Im Westen bewachen Libanesen oder Kurden die Türen der einschlägigen Clubs und Diskotheken.

Drogenhandel im Sky-Club? „Wenn, dann nicht in großem Rahmen“, sagte der 21-jährige Stefan M. am Sonntagmorgen vor dem Lokal. Er besuchte dort seine Freunde, deren Weltrekordversuch so jäh durch das Eindringen der Polizei beendet wurde. Der 24-jährige Musiker Mathias S. hatte Glück: Kurz bevor die Polizei kam, hatte er den Club für eine kurze Pause im Tageslicht verlassen.

Rund 300 Polizisten waren an der Razzia beteiligt, die bis zum frühen Nachmittag dauerte. Von 154 Besuchern und Mitarbeitern wurden die Personalien kontrolliert, elf Personen wurden vorläufig festgenommen. Die bisherige Bilanz der Polizei weist außerdem 52 Anzeigen wegen Drogendelikten aus und eine wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz, denn es wurde eine scharfe Patrone gefunden. Weitere Einzelheiten gab die Polizei gestern nicht bekannt.weso

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